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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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298 Eva Pfanzelter jene, die in Südtirol aufgrund beruflicher Chancenlosigkeit permanent am Existenzlimit kratzten. Die Verheißung eines beispiellosen wirtschaftlichen Aufstieges und der technischen Moderne sowie einer mitreißenden Jugend- kultur zeigten schon bald ihre propagandistische Wirkung. Unter dem italie- nischen Faschismus waren diese nur unter Aufgabe des eigenen Volkstums zu haben, im Nationalsozialismus konnte das alles unter Beibehaltung des „Deutschtums“ erreicht werden. In diesem Kontext zeichnete sich ein Gene- rationenbruch ab. Die wirtschaftlichen Versprechen, gepaart mit massiven finanziellen Förderungen aus Deutschland, spielten in den 1930er-Jahren v.a. für den Erfolg des Völkischen Kampfrings Südtirol (VKS), der illegalen NS-Bewegung, eine große Rolle57. Ein sozialer Bruch hingegen ergab sich in den 1930ern daraus, dass die faschistische Repressionspolitik wohlhabende Bauern, die städtische Bevöl- kerung und das reiche Bürgertum weniger betraf bzw. diese sich besonders auch wegen des Arrangements Italiens mit Österreich schneller in das neue Machtsystem einfügten. Es ging eher um Autonomie, Kooperation und Eini- gung. Anders erging es allerdings Menschen aus der unteren Bauer-, Hand- werker-, Arbeiter- und Angestelltenschicht. Sie hatten die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit oft nicht. Für sie wurde die politische und wirtschaftliche Neuordnung im Faschismus zur lebensbedrohlichen Notlage, was sie emp- fänglicher für extreme Ideologien und Verheißungspropaganda machte: Die nationalsozialistische Volkstumsideologie, die eine staatliche Einheit aller Deutschen versprach, stellte damit auch die Lösung aller hauseigenen so- zialen und wirtschaftlichen Probleme inklusive eines revanchistischen Pro- gramms in Aussicht. Vor diesem Hintergrund kann die Wirkkraft der in den 1930er-Jahren massiv einsetzenden nationalsozialistischen Propaganda nicht hoch genug eingeschätzt werden, die ideologische Loslösung vom verräteri- schen Österreich war nur noch ein kleiner Schritt58. Im Juni 1933 schlossen sich die seit 1928 ideologisch stark divergie- renden Jugendgruppen zur Südtiroler Heimatfront zusammen. Anfang 1934 benannte sich diese in „Völkischer Kampfring Südtirols“ um und setzt ein sechs Punkte umfassendes politisches Programm mit Anlehnung an den Na- 57 Ebd. 58 Rolf Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert: von Leben und Überleben einer Minder- heit (Innsbruck–Wien 1997) 95–113, 137–144.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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