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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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305 Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940 Pacelli (der ihm seit dem Sommer 1917 persönlich bekannt war), der Papst möge sich für die Wahrung der Einheit Tirols aussprechen9. Der Kaiser, der sich während der Friedenskonferenz auch bei den Siegermächten für die Ein- heit Tirols einsetzte, musste sich wohl nicht lange bitten lassen, hatte er doch ein sehr vertrautes Verhältnis zu Benedikt XV. Der Papst hatte sich am Ende des Krieges für den Erhalt der Donaumonarchie ausgesprochen. Später sollte er ihn zweimal ermutigen, in Ungarn eine Restauration ins Werk zu setzen. Nach dem zweiten gescheiterten Versuch unterstützte er ihn im Exil, auch materiell10. Wenn die staatliche Einheit Tirols gewahrt blieb, galt das natürlich auch für die kirchliche. Eine Tiroler Delegation wandte sich daher an den Papst, unterstützt durch Waitz, um ihn für die Unterstützung einer Volks- abstimmung über die Einheit Tirols zu gewinnen. Wie positionierte sich nun der Papst? Gegenüber Carlo Monti erklärte Benedikt XV., er werde sich in dieser Frage Zurückhaltung auferlegen, da er bei der römischen Regierung nichts erreichen, lediglich die vatikanische Position schwächen könne. Man darf nicht vergessen, dass er in patriotischer Hinsicht keine Blößen zeigen wollte, waren doch nach der Niederlage von Karfreit Vorwürfe laut gewor- den, der Pontifex trage durch seine Verurteilung des Krieges als „unnützes Blutvergießen“ eine Mitschuld11. Tausende Soldaten hatten unter Berufung darauf die Front verlassen. Gleichwohl schwenkte man im Vatikan auch nicht auf die Regierungslinie ein. Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri ließ den Ministerpräsidenten Vittorio Emanuele Orlando, der soeben aus Protest über die aus italienischer Sicht nicht eingehaltenen Zusagen des Londoner Ver- trages die Pariser Friedensverhandlungen verlassen hatte, im Frühjahr 1919 wissen, er halte die Vereinigung mit Südtirol, wo es jenseits von Bozen keinen ein- zigen Italiener gibt, für einen Irrtum12. Benedikt XV. und Gasparri waren erfahrene Diplomaten aus der Schule Leos XIII. Pragmatisch und geschickt wurde nun die Neuordnung 9 Elisabeth Kovács, Papst Benedikt XV. und die Restaurationsbemühungen des Kaisers und Königs Karl von Österreich, in: Archivum Historiae Pontificiae 27 (1989) 357–399. 10 Ernesti, Benedikt XV 149–160. 11 Scottà, Diario del Barone Carlo Monti (2) 407 f. (14.12.1918) und 439 f. (23.2.1919). 12 Scottà, Diario del Barone Carlo Monti (2) 466 (24.4.1919); Ebd. 473 (13.5.1919); Ebd. 504 (18.11.1919). (Übers. d. Verf.)
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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