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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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308 Jörg Ernesti worden. Wien hatte seine Abberufung betrieben, ihn zeitweise in Heiligen- kreuz interniert. Nach dem Krieg kehrte er im Triumph in seine Bischofsstadt zurück, von seinen italienischen Diözesanen wie eine Bekenner verehrt, von seinen deutschsprachigen Gläubigen immerhin geachtet. Der Annexion Süd- tirols stand er skeptisch gegenüber18. Bereits vor dem Weltkrieg scheint er zwar eine Abtrennung seiner deutschsprachigen Bistumsgebiete befürwor- tet zu haben, als aber am 5. August 1922 der Brixner Fürstbischof Raffl zum Administrator für diese ernannt wurde, intervenierte er im kirchlichen und politischen Rom, so dass die Maßnahme bereits zwei Wochen später revo- ziert wurde19. Faktisch beließ er den 10 deutschen Dekanaten, für die er einen Provikar ernannte, eine gewisse Eigenständigkeit20. Das zeigte sich auch, als der Religionsunterricht in italienischer Sprache erteilt werden sollte und die deutschsprachigen Kleriker ihre Mitwirkung verweigerten. In der Folge wurde in den deutschen Dekanaten Trients mit Duldung Endricis ähnlich vorgegangen wie in der Diözese Brixen und pfarrlicher Unterricht erteilt21. Parallel zum Vinzentinum in Brixen bildete das Kleine Seminar Johanneum in Dorf Tirol geistlichen Nachwuchs aus, wegen der Schließung des Benedikti- nergymnasiums in Meran nun auch mit eigener Schule. Gegenüber den Fa- schisten wurde er immer wieder zum Anwalt der Katholiken in Meran und Bozen, was einem Italiener leichter fallen musste als einem deutschsprachi- gen Südtiroler. Den jungen Trentiner Politiker Alcide De Gasperi förderte Endrici schon vor dem Großen Krieg, übertrug ihm die Leitung seiner Kirchenzei- tung und unterstützte ihn nach 1918 ideell bei der Gründung des christde- mokratischen Partito Popolare im Trentino. Dieser errang hier 1921 einen großen Wahlsieg. Kirchenzeitung und Partei wurden 1926 verboten. Senator Ettore Tolomei, Motor und Ideengeber der Italianisierung des „Alto Adige“, schlug dem italienischen Innenminister vor, beim Vatikan darauf zu drin- gen, den Bischof in eine römische Kongregation abzuberufen. Der Vatikan 18 Schober, Die Tiroler Frage 203 ff. 19 Heiss, Schutzmacht und Ohnmacht 96; Gelmi, Geschichte der Kirche 375 ff.; Faustini, Die katholische Kirche 657 ff. 20 1917–1928 war dies Balthasar Rimbl, auf ihn folgte Joseph Kögl. 21 Rolf Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert. Dokumente (Innsbruck et al. 1999) Dok. 13, 41 f. vom September 1926: Eingabe der Geistlichkeit des deutschen Anteils der Diözese Trient an Endrici, Dok. 14, 43 f. an den Provikar in derselben Sache.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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