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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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310 Jörg Ernesti Haus damit das Wasser abgegraben. Eine Schließung des Gymnasiums der Augustiner-Chorherren und des Lyzeums der Englischen Fräulein in Brixen ließen sich nicht vermeiden. Weitreichender noch war die 1923 eingeführte Vorschrift („Lex Gentile“), den gesamten Unterricht, also auch den Religi- onsunterricht, in deutscher Sprache abzuhalten24. Das Leben in der Pfarrei (Predigt, Katechese, Vereine) war damit ein letztes Refugium, das dem Italia- nisierungsdruck entzogen war. Allerdings intervenierte auch hier der Staat: Selbst die Taufnamen und die Namen auf den Grabsteinen mussten italiani- siert werden. Da der Religionsunterricht damals noch fast ausschließlich von Priestern erteilt wurde, war die Mitwirkung des Bischofs bei der Umstellung der Sprache vonnöten. Raffl machte hier nicht die geringste Konzession und konnte mithilfe des Heiligen Stuhls erreichen, dass die Maßnahme zurück- genommen wurde. Er wusste sich dabei getragen von der einmütigen Unter- stützung seiner deutschsprachigen Gläubigen. 1926 bestand die Regierung allerdings wieder auf dem Italienischen, so dass man sich mit pfarrlichem Unterricht behelfen musste, der bis 1928 flächendeckend angeboten wurde. Im Vorfeld und im Gefolge des Konkordats kehrte der deutschsprachige Reli- gionsunterricht dann wieder in die Schulen zurück. In Südtirol war das Pressewesen traditionell kirchlich geprägt25. Der Priester Aemilian Schöpfer hatte 1907 den Bozner und den Brixner „Pressver- ein“ zur „Tyrolia GmbH“ vereinigt. Auch die Umsiedlung des Verlages nach Innsbruck acht Jahre später entsprach seinem Wunsch. Er selbst leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod, zuletzt in der Funktion des Vorsitzenden des Verwaltungsrates, seit 1921 allerdings nicht mehr als Präsident für den Südtiroler Unternehmenszweig. 1921 wurde die Verbindung nach Innsbruck gekappt, und es musste in Südtirol auf den Namen „Tyrolia“ verzichtet wer- den. Unter Kanonikus Michael Gamper, Schöpfers Zögling und Statthalter im Süden, nannte sich der Südtiroler Unternehmenszweig erst „Vogelweider“, ab 1936 „Athesia“. Für die weitere Entwicklung war es nun von Bedeutung, dass das Unternehmen bestehen bleiben konnte. Offenbar wurde Mussolini das Anliegen von Pietro Tacchi Venturi SJ vorgetragen, der als inoffizieller 24 Gruber, Südtirol unter dem Faschismus 197 ff. 25 Erwin Brunner, Die deutschsprachige Presse in Südtirol von 1918–1945 (Dissertation, Wien 1979) 68 ff.; Leopold Steurer, Südtirol zwischen Rom und Berlin. 1919–1939 (Wien et al. 1980) 132–143.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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