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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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315 Die katholische Kirche in Südtirol 1918–1940 neuen Ringe und brachten so die Billigung der Kirche zu der Aktion, indirekt auch zum „vaterländischen Krieg“ zum Ausdruck. Er selbst habe den Klerus in der Angelegenheit zur Neutralität angehalten, so Geisler. In den Bistümern Trient und Brixen verweigere sich jedoch die deutschsprachige Bevölkerung fast geschlossen dem Aufruf des Duce38. Um ihn, den Bischof, zu provozieren, hätten Militärkapläne gegen seinen ausdrücklichen Willen auf dem Brixner Domplatz eine Heilige Messe gefeiert und Ersatzringe gesegnet. Der Bischof warnt, dass das willfährige Auftreten von Priestern der Glaubwürdigkeit der Kirche schade und den Hass der Bevölkerung gegen die „Unterdrücker“39 weiter nähre. Das mochte als Hilferuf zu verstehen sein, den allzu vaterlän- disch gesinnten italienischen Klerus in Südtirol im Zaum zu halten. Ferner berichtet der Bischof nach Rom, dass er gehalten sei, es der Präfektur zu melden, wenn er seine Residenz verlasse. Er bekomme dann Geleitschutz gestellt. Es werde also seine Freiheit eingeschränkt, er solle ein- geschüchtert werden, und er werde ständig überwacht40. Interessant scheint, dass Geisler, dem man nach außen hin keinen Hang zum Politisieren vorwerfen konnte, sich hier zum Sprachrohr nicht nur des Kirchenvolkes, sondern der gesamten Südtiroler Bevölkerung machte. Wohl kaum konnte er allerdings erwarten, dass der Vatikan in der Sache der Südtiroler interveniere. War es die Attitüde des Fiat iustitia pereat mundus, die ihn solches vortragen ließ – eine Haltung, die ihn schließlich auch an einer Zukunft in Italien verzweifeln und für Deutschland optieren lassen sollte? Als der italienische Kronprinz Umberto und seine Frau Maria Josè 1938 eine Reise in die Provinz „Alto Adige“ planten, wurde ihm vom Pro- vinzpräfekten Giuseppe Mastromattei dringend nahegelegt, die hohen Gäste auf Burg Bruneck zu empfangen41. Als Geisler als Bedingung vorbrachte, dass zuvor alle politischen Gefangenen freigelassen und die Entlassenen wieder- eingestellt würden, um so zur Befriedung der Situation beizutragen und ihn selbst nicht in den Augen der deutschen Bevölkerung zu desavouieren, ging 38 Ebd. 175 ff. 188 ff. Petra Terhoeven, Eheringe für den Krieg. Die Geschichte eines fa- schistischen Gedächtnisorts, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 54 (2006) 61–85, 76 f. 39 „Oppressori“: Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 32 190. 40 Ebd. 184–187. 41 Gelmi, Fürstbischof Johannes Geisler, Dok. 33 192: Brief Geislers an Präfekt Giuseppe Mastromattei vom 5. Mai 1938.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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