Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 324 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 324 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 324 -

Bild der Seite - 324 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 324 -

324 Stefan Lechner eingebürgerten Optanten als deutsche Staatsbürger, sondern sogar jene, die einfach nur ihre Optionserklärung abgegeben hatten. In juristischer Hinsicht war dies mehr als fragwürdig. Vor dem Hintergrund des Potsdamer Abkommens vom Sommer 1945, das die Vertreibung Millionen Deutscher aus Osteuropa sanktionierte, war die Klassifizierung der großen Mehrheit der Südtiroler als Nazis und deut- sche Staatsbürger ein starker Trumpf, den De Gasperi gekonnt ausspielte. Die Optionsvereinbarungen von 1939 erachtete er als nach wie vor gültig und er- klärte gegenüber den Alliierten, Italien hätte im Grunde alles Recht der Welt, die Südtiroler Nazi-Optanten auszuweisen7. Die Gleichung „Optanten sind Nazis“ rechnete er den Alliierten im- mer wieder vor8, doch ließen sich die amerikanische und britische Außen- politik davon kaum beeindrucken9. Eine Ausweisung der Optanten lehnten die Alliierten strikt ab, was sie De Gasperi unmissverständlich wissen ließen. Eine Notwendigkeit verpackte De Gasperi nun in eine großzügige Geste Itali- ens, indem er erklärte, aus humanitären Gründen werde eine Fortsetzung der Umsiedlung unterlassen und hingegen eine Lösung des Staatsbürgerschafts- problems angestrebt10. Gegen Jahresende 1945 legte die italienische Regie- rung dann einen ersten Gesetzentwurf zur Regelung der Staatsbürgerschaft der Optanten vor, der die einst von Deutschland eingebürgerten Optanten vom Wiedererwerb der italienischen Staatsbürgerschaft und damit von einer eventuellen Volksabstimmung in Südtirol ausgeschlossen hätte, zumal eine solche zu diesem Zeitpunkt immer noch im Bereich des Möglichen war. 7 Mario Toscano, Storia diplomatica della questione dell’Alto Adige (Bari 1968) 274. Als Österreich das Südtirolproblem 1959 erstmals vor die UNO brachte, wurde im italienischen Außenministerium u.a. von Mario Toscano die Ausweisung der ehemaligen Optanten für Deutschland als Gegenmaßnahme kurzzeitig angedacht, jedoch nie ernsthaft erwogen. Fe- derico Scarano, La diplomazia italiana e il difficile rapporto con Bruno Kreisky sul problema sudtirolese, in: Bruno Kreisky und die Südtirolfrage/Bruno Kreisky e la questione dell’Alto Adige, hrsg. von Gustav Pfeifer, Maria Steiner (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landes- archivs, Sonderband 4, Bozen 2016) 55–86, hier: 64. 8 Spitz kommentierte Viktoria Stadlmayer De Gasperis Argument gegen eine Rückglie- derung Südtirols an Österreich, bei den Südtirolern handle es sich um glühende Nazis, als besonders „originell“. Viktoria Stadlmayer, Kein Kleingeld im Länderschacher. Südtirol, Triest und Alcide Degasperi 1945/1946 (= Schlern-Schriften 320, Innsbruck 2002) 38. 9 Ebd. 40, 58. 10 Toscano, Storia diplomatica 274.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung