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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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326 Stefan Lechner mer 1946 wurde in Bozen ein neuer Gesetzestext erarbeitet (Innocenti-Ent- wurf)16, der nach dem Präfekten maximal 200 bis 300 Südtiroler Nazis die ita- lienische Staatsbürgerschaft entziehen bzw. eine Wiederverleihung derselben verweigern würde17. Dies akzeptierte auch der liberale Flügel der SVP. Wie Parteiobmann Erich Amonn folgerichtig argumentierte, könne man nicht an- dauernd den nazi-faschistischen Schandvertrag von 1939 anprangern, ohne dass die Hauptverantwortlichen, deren Tätigkeit es erst zu verdanken ist, daß der Schandvertrag Fleisch und Blut geworden ist, zur Verantwortung gezogen werden18. Der Generalsekretär der SVP, Josef Raffeiner, vertrat die Ansicht, die Verant- wortlichen der Option von 1939 seien zu opfern, um den vielen Tausenden Süd- tirolern jenseits des Brenners die Heimkehr zu ermöglichen19. In der Kommission zur Ausarbeitung eines Optantengesetzes wurde den Anliegen der SVP großes Verständnis entgegengebracht20 und es konn- te schließlich ein Kompromiss erzielt werden, dem die SVP-Leitung trotz schwerster Bedenken21 und unter Vorbehalt zustimmte. Die SVP begrüßte einerseits wesentliche Verbesserungen der neuen Regelung gegenüber dem ersten Regierungsentwurf von Ende 1945: So wurde nunmehr auch für die Ab- gewanderten das Recht auf den Rückerwerb der italienischen Staatsbürgerschaft und die Rückkehr in die Heimat anerkannt, und der im ersten Entwurf äußerst weit ge- zogene Kreis, der vom Wiedererwerb der Staatsbürgerschaft Ausgeschlossenen, we- 16 Die Mitglieder der Kommission wurden von der Bozner Präfektur, dem Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) der Provinz Bozen und der SVP nominiert. Leopold Steurer, Südtirol 1943–1946: Von der Operationszone Alpenvorland zum Pariser Vertrag, in: Südtirol – Stunde Null? Kriegsende 1945–1946, hrsg. von Hans Heiss, Gustav Pfeifer (= Veröffentli- chungen des Südtiroler Landesarchivs 10, Innsbruck–Wien–München 2000) 48–106, hier: 91, 105 (Anm. 104). 17 Schreiben von Erich Amonn (Bozen) an Alois Pompanin (Brixen), 25. 3. 1946, in: Geh- ler, Akten zur Südtirol-Politik 1, Dok. 63, 190. 18 Ebd. 190. 19 Josef Raffeiner, Tagebücher 1945–1948, hrsg. von Wolfgang Raffeiner (Bozen 1998), Eintrag vom 7. 3. 1946, 96. 20 Ebd., Eintrag vom 3. 5. 1946, 115. Beim italienischen Entgegenkommen in der Optan- tenfrage handelte es sich nach Reut-Nicolussi um ein „Lockmittel“ zur Aufgabe des Selbst- bestimmungsrechtes durch die Südtiroler. Schreiben von Eduard Reut-Nicolussi (Innsbruck) an Arbogast Plawenn (Bozen), 19. 2. 1946, in: Gehler, Akten zur Südtirol-Politik 1, Dok. 52. 21 Erich Amonn über den Stand der Optanten- und Autonomiefrage, 21. 3. 1947, in: Rolf Steininger: Südtirol im 20. Jahrhundert. Dokumente (Innsbruck–Wien 1999), Dok. 34, 107.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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