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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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332 Stefan Lechner tretern des Außenamtes statt. Solche Vorgespräche erachtete Gruber als not- wendig, da das Problem der Optionen doch „spezielle Schwierigkeiten“ auf- werfen könnte. Dem setzte Coppini entgegen, mit den Südtirolern sei bereits eine Übereinkunft erzielt worden, womit er den Innocenti-Entwurf von 1946 meinte, den Gruber im Wesentlichen als akzeptabel bewertete49. Damit war im Grunde klar, dass der Innocenti-Entwurf als Ausgangs- punkt für die vorgesehenen Konsultationen dienen sollte. Zur Überraschung Coppinis und der Mitarbeiter im italienischen Außenministerium nahmen die Vorgespräche aber einen unvorhergesehenen Verlauf. Josef Schöner vom Wiener Außenamt konfrontierte Coppini mit der Feststellung, Österreich er- achte das „Hitler-Mussolini-Abkommen“ von 1939 für ungültig und würde die Südtiroler Umsiedler als „displaced persons“ betrachten. Dies ließ Cop- pini aufhorchen, denn nach den Alliierten sollten DPs in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Hinter der Kategorisierung Schöners vermutete Cop- pini den Versuch, die Rückführung der Südtiroler als Gruppe und ohne indi- viduelle Prüfung durch Italien anzustreben50. Die individuelle Prüfung jedes einzelnen Optanten war aber ein Grundsatz, den Italien im Innocenti-Entwurf festgeschrieben hatte und von dem abzuweichen man nicht gewillt war. Die Errichtung der Außenstelle des Bundeskanzleramtes in Inns- bruck51 sowie irredentistische Stimmungen und Stimmen in Tirol und Südti- rol52 versetzten Coppini weiter in Alarmstimmung. Er befürchtete, Österreich könnte nicht nur in der Optantenfrage das Heft des Handelns in die Hand nehmen, sondern überhaupt die Südtirolfrage in territorialer Hinsicht offen halten wollen53. Zudem wurde zeitgleich in der Presse kolportiert, Außenmi- nister Gruber habe in London in einem Interview erklärt, Österreich würde auch nach dem Pariser Abkommen am Recht auf Selbstbestimmung der Süd- 49 Ebd. 772 f. 50 Coppini an Außenminister Nenni, Wien, 30. 1. 1947, in: Ebd., Dok. 723. 51 Silvio Innocenti vom UZC kritisierte gegenüber Johannes Schwarzenberg die Schaf- fung der Stelle, die die Beziehung zwischen beiden Staaten trüben und sich auf die Ver- handlungen nachteilig auswirken werde. Schwarzenberg an Heinrich Winkler, 1. 4. 1947. Steininger, Südtirol im 20. Jahrhundert, Dokumente, Dok. 36, 111. 52 Schwarzenberg an Gruber, 14. 7. 1947, in: Ebd., Dok. 40, 125. 53 Coppini an den Generaldirektor für politische Angelegenheiten, Vittorio Zoppi, Wien, 27. 1. 1947. DDI X/4, Dok. 713.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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