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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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338 Stefan Lechner USA in Kenntnis gesetzt, da Österreich den aus italienischer Sicht im Pariser Abkommen inkludierten Verzicht auf Südtirol offensichtlich nicht anerkann- te80. So hatte Außenminister Gruber im Vorfeld offen erklärt, von einem Ver- zicht sei in den Verhandlungen in Paris niemals die Rede gewesen81. Vom 13. bis 22. November 1947 fanden in Rom die entscheidenden Kon- sultationen zwischen Italien und Österreich statt, die schließlich zum Optan- tendekret vom 5. Februar 1948 führten. Ursprünglich sollten die Gespräche bereits einige Tage vorher stattfinden, um Coppini eine Teilnahme zu ermögli- chen, wurde aber eine Terminänderung vorgenommen. Dieser musste nämlich am 9. November dem ersten Fußballländerspiel der Nachkriegszeit zwischen Italien und Österreich in Wien beiwohnen82. Das Spiel gewann Österreich mit 5 zu 1. Ging Österreich auch aus den Verhandlungen in Rom als Sieger hervor? Nach Steininger sehr wohl, denn die österreichische Delegation habe durch ihre harte Haltung unerwartete Zugeständnisse erhalten83. Auf der anderen Seite gab Außenminister Gruber die von Italien gewünschte und für absolut notwendig erachtete Erklärung ab, wonach die Wiedereingebürgerten eine lo- yale Haltung gegenüber Italien einzunehmen hätten und die österreichische Regierung jede Tätigkeit und jedes Verhalten der Südtiroler missbillige, das auf eine Änderung jenes Zustandes gerichtet sei, auf den sich das Pariser Abkom- men gründe. Das kam einem definitiven Verzicht auf Südtirol gleich. Nach Josef Raffeiner, einem der besten Kenner der Reoptionsmaterie, fiel die nunmehrige Lösung bedeutend schlechter aus als die 1946 ausgearbeitete84. Tatsächlich wurden in der Folge ca. 650 Optanten in Südtirol von der italieni- schen Staatsbürgerschaft ausgeschlossen85 und nicht die 1946 in Aussicht ge- stellten 200 bis 30086. Mit den Abgewanderten waren es ca. 4.000 Abgewiesene. Diese Bewertung weist freilich einen Unsicherheitsfaktor auf, weil wir nicht wissen, wie der Innocenti-Entwurf umgesetzt worden wäre. Die damaligen Kri- 80 Außenminister Sforza an die Botschafter in London und Washington, Rom, 27. 10. 1947. Ebd., Dok. 659. 81 Coppini an Außenminister Sforza, Wien, 4. 10. 1947. Ebd., Dok. 558, 708. 82 Coppini an Zoppi, Wien, 18. 10. 1947. Ebd., Dok. 624. 83 Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror 112. 84 Raffeiner, Tagebücher, Eintrag vom 25. 11. 1947, 274. 85 Lechner, Una denazificazione posticipata 227. 86 Stellungnahme der Landesstelle für Südtirol, 9. 10. 1946, in: Gehler, Akten zur Süd- tirol-Politik 1, Dok. 225, 479.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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