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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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349 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation Diese Ergebnisse bestätigen die grundlegenden Veränderungen im österrei- chischen Selbstverständnis nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Identifikation mit einer eigenständigen österreichischen Nation etablierte sich in großen Teilen der Bevölkerung, wenngleich es weiterhin eine Minderheit von rund 5-10 % der Bevölkerung gab, die diese Vorstellung ablehnte. Allerdings lässt sich aus diesen Umfragen nicht ableiten, welche Vorstellungen sich mit die- sem Nationsbild verbanden. Ein positives Verhältnis zum eigenen Staat, sei- ner landschaftlichen Schönheit und seiner wirtschaftlichen und politischen Stabilität ist aus vielen Untersuchungen ablesbar, die den Österreichern auch weitaus höheren Stolz auf ihr Land attestieren als etwa den Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland25. Zugleich zeigten Umfrageergebnisse, dass sich die von der Nachkriegspolitik als so zentraler Gesichtspunkt der Na- tionsbildung gesehene Abgrenzung von allem Deutschen in der Bevölkerung nicht gleichermaßen durchgesetzt hatte. So gaben die Österreicher in Umfra- gen regelmäßig die Deutschen als die ihnen ähnlichsten Nachbarn an, deut- lich vor Ungarn, Tschechen oder auch Schweizern26. In Beantwortung einer Umfrage im Jahre 1994, zu welchen Nachbarregionen sie sich stark oder sehr stark hingezogen fühlten, nannten 46 % der befragten Österreicher Bayern, noch vor den 41 %, die Südtirol, und den 30 %, die die Schweiz anführten. Nichtdeutschsprachigen Gebieten wie Ungarn oder Tschechien fühlten sich nur 13 beziehungsweise 5 % der Befragten gleichermaßen eng verbunden27. Auch eine eigenständige österreichische Nation schien in den Augen der Be- völkerung also erhebliche Schnittstellen mit dem übrigen deutschsprachigen Raum aufzuweisen. 25 Siehe etwa Identität und Nationalstolz der Österreicher, hrsg. von Max Haller (Wien 1996) 468. 26 Siehe etwa Nation und Nationalbewußtsein in Österreich, hrsg. von Albert Reiterer (Wien 1988) 121 f. 27 Sozialwissenschaftliche Studiengesellschaft (SWS), FB 297 (1994).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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