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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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352 Peter Thaler diese Menschen ja zum Arbeitseinsatz nach Ostpreußen abschieben31. Den desolaten Kolonnen der ausgewiesenen deutschsprachigen Bevölkerung aus der südmährischen Metropole Brünn verweigerte man überhaupt den Grenz- übertritt, bis internationaler Druck ein Umdenken erwirkte32. Und in Bezug auf die aus der kleinen deutschen Sprachinsel der Gottschee, nicht weit süd- lich der Grenze in Slowenien, ausgewiesenen Altösterreicher warnte Honner: Auch ein Entgegenkommen gegenüber den Gottscheer Deutschen würde uns bei Jugo- slawien in Misskredit bringen. Der Zustrom dieser Leute wäre mit allen Mitteln ab- zuhalten, indem wir sie als unerwünschte Ausländer betrachten und ihnen keinerlei Hilfe gewähren.33 Alfred Missong schließlich konnte als Vordenker der Regie- rungspartei ÖVP und Mitgestalter ihres Parteiprogramms im Rahmen seiner 25 Thesen über die österreichische Nation festlegen: Das im Aufbau begriffene neue Europa hat die nationalstaatliche Formung seiner Gliedgebilde zum Fundament. Jeder europäische Staat ist bemüht, alle fremdnationalen Elemente (Minderheiten) nach Möglichkeit hundertprozen- tig auszuscheiden. Ferner geht die Tendenz dahin, jeder numerisch einigerma- ßen ins Gewicht fallenden Nation ihren eigenen, aber eben nur e i n e n und nicht mehrere Staaten als Aktionsfeld zu sichern. Es wird daher in Zukunft auch keine „Volksdeutschen“ mehr geben, sondern diese werden, soweit sie nicht in Überseestaaten oder – als Volksösterreicher – in Österreich Aufnah- me finden, dem zukünftigen deutschen Staat einverleibt werden.34 Da ihre deutschen Besatzungszonen schon mit Flüchtlingen überlastet wa- ren, legten die Besatzungsmächte dieser Weiterverschiebung allerdings enge Grenzen auf. Der österreichischen Regierung blieb deswegen nichts Anderes übrig, als die unerwünschten Zuwanderer zumindest einstweilig im Lande zu behalten. Vor allem kirchliche Kreise und das ab 1949 durch den Verband der Unabhängigen sowie dessen Nachfolger FPÖ wieder parteipolitisch ver- tretene nationalliberale Lager setzten sich auch bald für eine gesellschaftliche 31 Robert Knight, „Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen“ (Frankfurt 1988) 91, 95. 32 Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei, hrsg. vom Bundesministerium für Vertriebene (Bonn 1957) 108. 33 Knight, Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen 96. 34 Alfred Missong, 25 Thesen zur österreichischen Nation, in: Österreichische Monats- hefte 11 (1948) 486.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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