Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 353 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 353 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 353 -

Bild der Seite - 353 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 353 -

353 Der Sonderfall: Südtirol und die Grenzen der österreichischen Nachkriegsnation Eingliederung der Flüchtlinge ein, wie auch die Großparteien das darin lie- gende Wählerpotential nicht auf Dauer ignorieren konnten35. Eine besondere Verantwortung für diese Bevölkerungen lehnte die Regierung aber weiter- hin ab und verwies auf das Potsdamer Abkommen, das eine Repatriierung deutscher Minderheiten in verschiedenen osteuropäischen Ländern nach Deutschland vorgesehen habe36. Mit Österreich hätten diese Bevölkerungen jedenfalls nichts zu tun, weshalb deren Forderungen nach rechtlicher Besser- stellung vom zuständigen Ministerialrat Alfons Just als Ausdruck von Un- dankbarkeit zurückgewiesen wurden: Als in den Jahren 1945 und 1946 die Volksdeutschen aus drei Himmelsrich- tungen über unsere Grenzen flüchteten, bekamen wir oft genug von ihnen zu hören, daß sie glücklich und zufrieden sein würden, wenn sie nur bei uns bleiben könnten, gleichviel unter welchen Umständen. Das hat sich geändert. Heute lesen wir in den volksdeutschen Zeitungen Vorwürfe, daß die Volks- deutschen noch keine Vertretung in unserer Regierung und unseren Ämtern haben, daß sie ihre ehemaligen Berufe nicht in Österreich weiter ausüben kön- nen, daß Österreich nicht ihre Pensionen und Renten bezahlt, usw. Das ist befremdlich. Es kann den Volksdeutschen nicht unbekannt sein, daß kein Land der Welt, Deutschland ausgenommen, den DPs und Flüchtlingen, die zu ihm gekommen sind, irgendeine Pension oder Rente bezahlt. Es kann ihnen nicht unbekannt sein, daß sie ihre Zeugnisse, Diplome, usw. in jedem Land nostri- fizieren lassen müssen, und daß die Ausübung akademischer Berufe in keinem gestattet wird. Das alles wissen sie und dennoch machen sie Österreich aus seiner Handlungsweise einen Vorwurf.37 Mit den Jahren zeigte sich, dass ein Teil dieser Flüchtlinge für immer in Ös- terreich bleiben würde und sich auch nützlich in Gesellschaft und Wirtschaft integrieren ließ. Von insgesamt rund 481.000 volksdeutschen Flüchtlingen wurden rund 160.000 nach Deutschland überführt und rund 57.000 wander- ten nach Übersee aus. Damit hielten sich 1958 noch etwa 264.000 Angehörige 35 Einen Einblick in die Haltungen der Parteien bietet die umfangreiche Sammlung von Edwin Machunze, Vom Rechtlosen zum Gleichberechtigten: Die Flüchtlings- und Vertriebe- nenfrage im Wiener Parlament, 4 Bände (Salzburg 1974–1978). 36 Sind eine Schande, in: Der Spiegel 2 (1951) 19 f. 37 Zitiert nach Brunhilde Scheuringer, Dreißig Jahre danach (Wien 1983) 255 f.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung