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Federico Scarano
Nach dem Ende des Faschismus und des Waffenstillstands erklärte Italien
am 13. Oktober 1943 Deutschland den Krieg und erhielt von den Alliierten
somit den Status eines „mitkriegführenden Landes“ (cobelligerante). Die ita-
lienischen Streitkräfte haben nur wenig zum Kriegsgeschehen beigetragen.
Vor allem angesichts der starken Partisanenbewegungen gegen die deutsche
Besatzung (die Ausdruck der Widerstandsbewegung des „Comitato di Libe-
razione Nazionale“ – Komitee der nationalen Befreiung, CLN – waren) und
gegen den kollaborierenden Faschismus der Republik von Salò meinte die
italienische Regierung, dass sich Italien auf diese Weise der durch das fa-
schistische Regime auferlegten Kriegsverantwortlichkeiten entziehen könne.
Man hoffte, alle präfaschistischen Kolonien und neben Südtirol alle Gebiete,
die zum Großteil von Italienern bewohnt waren, behalten zu dürfen. Groß
war die Enttäuschung und die Sorge hinsichtlich der Forderungen der Sie-
germächte: Titos Jugoslawien, das stark von der UdSSR unterstützt wurde,
forderte ganz Julisch Venetien einschließlich Triests. Großbritannien ver-
frage 1945/46 in US-Geheimdienstberichten und österreichischen Akten. Eine Dokumenta-
tion (= Schlern-Schriften 302, Innsbruck 1996), hrsg. von Michael Gehler, in: Akten zur Süd-
tirol-Politik 1945–1958 (im Folgenden ASP 1945–1958), 2 Bde., I 1945–1947, II 1947, hrsg. von
Michael Gehler (Innsbruck–Wien–Bozen 2011–2016). Des Weiteren hat Giovanni Bernardini
die 77 Dokumente aus den französischen, amerikanischen und britischen diplomatischen
Dokumenten und einige unveröffentlichte britische Dokumente publiziert: L’Accordo De
Gasperi-Gruber. Una storia internazionale, hrsg. von Giovanni Bernardini (Trento 2016);
Rolf Steininger veröffentlichte weitere österreichische Dokumente in seinem fundamentalen
Werk über das Gruber-De Gasperi-Abkommen: Rolf Steininger, Los von Rom? Die Südtirol-
frage 1945/46 und das Gruber-De Gasperi-Abkommen (= Innsbrucker Forschungen zur Zeit-
geschichte 2, Innsbruck 1987); und auch in: Ders., Südtirol im 20. Jahrhundert. Vom Leben
und Überleben einer Minderheit. Dokumente (Innsbruck–Wien 1997). Maßgebend für den
Zeitraum von 1959–1969 ist die von ihm herausgegebene Dokumentensammlung Akten zur
Südtirolpolitik 1959–1969 (im Folgenden ASP 1959–1969 genannt), 7 Bde. (Innsbruck 2007–
2013). Zum Abkommen zwischen De Gasperi und Gruber, siehe Steininger, Los von Rom?,
angelehnt an eine gründliche Untersuchung der amerikanischen und britischen Dokumente
sowie: Pietro Pastorelli, La politica estera italiana del dopoguerra (Bologna 1987). Die The-
sen dieser beiden Autoren wurden heftig kritisiert, siehe Viktoria Stadlmayer, Kein Klein-
geld im Länderschacher. Südtirol, Triest und Alcide Degasperi 1945/1946 (= Schlern Schriften
320, Innsbruck 2002). Ebenso nützlich, wenn auch in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre
veröffentlicht, ist: Mario Toscano, Storia diplomatica della questione dell’Alto Adige (Roma–
Bari 1967) 249–421; Das Werk gilt als Antwort auf: Karl Heinz Ritschel, Diplomatie um Süd-
tirol. Politische Hintergründe eines europäischen Versagens (Stuttgart 1966) 190–254. Für
eine Beschreibung der Lage in Südtirol in der unmittelbaren Nachkriegszeit: Domenico De
Napoli, Altoatesini e Sudtirolesi. Una convivenza difficile (1945–1946) (= Collana di Saggi
Storici 9, Roma 1996; Südtirol – Stunde Null? Kriegsende 1945–1946 ), hrsg. von Hans Heiss
und Gustav Pfeifer (= Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs 10, Innsbruck–
Wien–München 2000); Dalla liberazione alla ricostruzione. Alto Adige/Südtirol (1945–1948),
hrsg. von Giorgio Mezzalira, Fabrizio Miori, Giovanni Perez, Carlo Romeo (Bozen 2013).
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918