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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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368 Federico Scarano Botschafter in Rom, Alexander Kirk, mitteilte, bezog sich diese Erklärung auch auf die deutschsprachigen und slawischen Minderheiten7. De Gasperi, Hauptakteur der italienischen Politik von 1945 bis 1953, war wahrscheinlich jener italienische Politiker, der die Südtirol-Problematik am besten kannte, und das seit seiner Zeit als Führer der katholischen Trentiner Volkspartei im österreichischen Reichsrat. Damals war er noch unter seinem eigentlichen Nachnamen Degasperi aufgetreten. Nach seinem Philosophiestu- dium an der Universität Wien war er zunächst Abgeordneter im Tiroler Landtag in Innsbruck und dann von 1911 bis 1918 Mitglied im Wiener Reichsrat gewe- sen, wo er immer wieder vor der pangermanistischen Propaganda im Trentino warnte. Gleichzeitig betonte er aber auch noch nach 1945, dass er 1919 gegen die Annexion des deutschsprachigen Südtirol durch Italien gewesen war8. Wie Paolo Pombeni feststellte, hatte die Außenpolitik für den Trenti- ner Politiker eine zentrale Bedeutung9. Österreich hoffte zunächst, dass De Gasperi aufgrund seiner Vergangenheit den österreichischen Wünschen offen gegenüberstehen würde. Eduard Reut-Nicolussi, Professor für internationa- les Recht an der Universität Innsbruck und Katholik, der wegen des Faschis- mus aus Südtirol fliehen musste, war ab 1919 der vehementeste Verfechter des Selbstbestimmungsrechts Südtirols10. Er hatte De Gasperi bereits vor dem Ers- 7 Ebd. Doc. 342 457. 8 Umberto Corsini, Alcide Degasperi e i tedeschi dell’Alto Adige, in: Clio 29/1 (1993) 97–143, hier 120–121; Toscano, Storia diplomatica 55 f.; DDI, X Serie, IV, Doc. 261 313. De Gasperi, der bekanntlich von den Faschisten verfolgt wurde, wurde von ihnen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg beschuldigt, und später auch von den Sozial-Kommunisten nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung 1947, ein „austriacante“ zu sein. Siehe das Werk des sozialistischen Publizisten Gino Valori, der den Anschuldigungen gegen De Gasperi in einen wissenschaftlichen und ordnungsgemäßen Rahmen betten wollte: Degasperi al par- lamento austriaco 1911–1918 – I discorsi alla Camera – La polemica con Battisti – I colloqui con Benedetto XV (= Testimonianze del Tempo n. 3, Florenz 1953), hrsg. von Gino Valori. Im Anhang dieses Buches befinden sich die deutschsprachigen Originale der wichtigsten Texte. Siehe auch Paolo Pombeni, Il primo De Gasperi. La formazione di un leader politico (Bologna 2007) 285. Über De Gasperi im Habsburgerreich und zu seinen Ideen: Umberto Corsini, Il colloquio Degasperi–Sonnino (Trento 1975); Piero Craveri, De Gasperi (Bologna 2006) 15–58; Michael Völkl, Das Deutschenbild Alcide De Gasperis (1881–1954). Ein Beitrag zur Geschich- te der italienischen Deutschenwahrnehmung (München 2004) 34–144. 9 Paolo Pombeni, La storia, le circostanze e le leggi della politica. Qualche considera- zione sul saggio di Michael Gehler, in: Annali dell’Istituto storico italo-germanico in Trento – Jahrbuch des italienisch-deutschen historischen Instituts in Trient 30 (2004) 459. 10 Zu Reut-Nicolussi existiert ein wichtiges Werk von Michael Gehler das neben einer Biografie, fast tausend Dokumente veröffentlicht, die zum Großteil aus dem privaten Archiv des Tiroler Patrioten stammen: Michael Gehler, Eduard Reut-Nicolussi und die Südtirolfra-
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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