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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 375 -
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375 Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro Italien und De Gasperi wiesen die Alliierten darauf hin, dass sich die Lage in der Provinz Bozen im Vergleich zu 1919 drastisch verändert habe; 1945 war ein Drittel der Bevölkerung italienischsprachig. Während des Faschis- mus wurden dort Industriegebiete und Kraftwerke errichtet, die 13 Prozent des Stromes an die Industrie in Norditalien lieferten. Zudem hatte Italien ab dem 8. September 1943 gegen Nazideutschland gekämpft, wohingegen Ös- terreich bis zum Schluss Teil Deutschlands war, abgesehen von der kurzen Widerstandsphase zu Kriegsende. Wie De Gasperi schließlich betonte, ist eines unserer Hauptargumente, dass die Fremdstämmigen es 1939, als Italien noch neutral war, bevorzugten, Deutsche zu werden42. In seinen Mitteilungen an die Alliierten haben De Gasperi sowie auch die von ihm angewiesenen diploma- tischen Vertreter Italiens die Nähe der Südtiroler zum Nationalsozialismus mehrmals hervorgehoben. Als Beweis wurde die Tatsache angeführt, dass die überwältigende Mehrheit der Südtiroler die Option für das nationalso- zialistische Deutschland wählten und sich viele der SS angeschlossen haben. Südtiroler und Österreicher, für welche die Option für das nationalsozialis- tische Deutschland kein Bekenntnis zum Nationalsozialismus war, sondern eine Verurteilung des italienischen faschistischen Regimes, wiesen die An- schuldigungen zurück und machten darauf aufmerksam, dass die Mehrheit der Südtiroler nicht aus freien Stücken der SS beigetreten sei. Zudem gab es eine Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus, den „And- reas-Hofer-Bund“43. Zu Kriegsende und während der unmittelbaren Nach- kriegszeit war Südtirol für viele Naziverbrecher, die sich 1945 der Strafver- folgung entzogen, ein Fluchtweg nach Lateinamerika; unter ihnen auch Adolf Eichmann und Josef Mengele, die auf Hilfe vor Ort vertrauen konnten44. Die 42 DDI, X Serie, II, Doc. 378, 509. (Übers. d. Verf.) 43 Laut eines Berichts der SVP vom September/Oktober 1945 betrug die Anzahl jener Südtiroler, die der SS beigetreten sind, weniger als 4.000, davon aber nur 1.000 freiwillig. Fast alle traten der SS in der zweiten Hälfte des Jahres 1939 bei und in den ersten Monaten des Jahres 1940: ASP 1945–1947, Doc. 31, 84 f. Die von Hans Egarter geleitete Südtiroler Wider- standsbewegung, der „Andreas-Hofer-Bund“, verlor 25 Männer, die von den Nazis getötet wurden, 166 wurden in Konzentrationslager deportiert und 277 Männer konnten flüchten und sich so dem Naziregime entziehen. Ein Teil kämpfte als Widerstandskämpfer. Trotz der begrenzten Anzahl der Personen hat laut Egarter kein anderes deutschsprachiges Gebiet so signifikant passiven oder aktiven Widerstand gegen das Hitlerregime geleistet. ASP 1945– 1947, I Doc. 22, 87. 44 Gerald Steinacher, Nazi-Schlupfloch Südtirol (Innsbruck–Wien 2006); Ders., „Il Sig- nor Mengele da Bolzano“. L’Alto Adige come via di fuga dei criminali nazisti 1945–1951 in:
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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