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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 377 -
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377 Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro Reut-Nicolussi schien über das Attentat erfreut und war angeblich auch Akti- onen gegen lästige italienische Beamte nicht abgeneigt49. Zwischen April und August 1946 kam es zu weiteren Anschlägen: am Bahnhof von Trient und Bozen, zwei weitere auf Hochspannungsleitungen, einer beim „Denkmal des italienischen Arbeiters“ in Atzwang (Campodazzo), wohingegen eine mit 12 Kilogramm Dynamit geladene Bombe vor der Präfektur von Bozen50 nicht ex- plodierte. Laut Hans-Karl Peterlini besteht eine Verbindung zwischen diesen Attentaten und den schlimmeren, die in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre bis 1967 verübt wurden. Eine mehrere Monate dauernde Unterschriftenaktion, bei der 158.628 Unterschriften von Südtirolern gesammelt wurden, gilt als die wichtigs- te und spektakulärste Aktion zur Wiederangliederung Südtirols an Öster- reich51. Die gesammelten Unterschriften wurden von Reut-Nicolussi am 22. April 1946, am Ostermontag, Bundeskanzler Leopold Figl übergeben. 34.851 dieser Unterschriften stammten von Südtirolern, die sich nach der Option noch in Österreich befanden. Rund 123.777 Unterschriften wurden in Süd- tirol im Geheimen gesammelt und vom Briten Edgeworth Murray Leslie über den Brenner gebracht, der damals Informant des amerikanischen Geheim- dienstes OSS war und als Freund Südtirols galt52. Am 1. Mai lehnte die Außenministerkonferenz die Wiederangliede- rung Südtirols an Österreich ab. Dies löste bei den Südtirolern, wie Raffeiner erinnert, große Bestürzung aus, sogar ein bewaffneter Aufstand wurde erwo- gen. Volgger schlug hingegen vor, dass die gesamte Südtiroler Bevölkerung, angeführt von Bischof Geisler, bis zur Salurner Klause marschieren und dort in den Hungerstreik treten solle53. Raffeiner meinte allerdings, man müsse sich nun auf die Rückkehr der Optanten und die Wiedererlangung ihrer itali- enischen Staatsbürgerschaft konzentrieren, was den deutschsprachigen Süd- 49 Ebd. 228. 50 Peterlini, Feuernacht 23; Steurer, Südtirol 1943–1946, 80. Die Präfektur von Bozen hatte sogar den Verdacht, dass es in Südtirol eine terroristische Bewegung gibt, auch wenn dies vom Informationsbüro des Armeegeneralstabs dementiert wurde, siehe De Napoli, Al- toatesini 135 f. 1947 kam es zu drei Bombenanschlägen. Für Peterlini waren die Attentäter eine kleine militante Gruppe, die keine Unterstützung von der Bevölkerung bekam, die je- doch über sehr gute politische Kontakte verfügte. Siehe Peterlini, Feuernacht 24. 51 Gehler, Verspielte Selbstbestimmung, Doc. 96, 271. 52 Zu Leslie siehe ebd. 38–51. 53 Raffeiner, Tagebücher 114.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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