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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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381 Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro präsident und vorläufige Außenminister mit der italienischen Delegation in Paris am Abend des 5. Septembers, nur kurz nach der Unterzeichnung des Abkommens, hatte68. Botschafter Eugenio Reale, auf Anordnung der kommu- nistischen Partei nach Warschau entsandt, hatte eine heftige Auseinander- setzung mit De Gasperi: Er glaubte nicht, dass das Abkommen den Selbst- bestimmungsbestrebungen69 und Unruhen der Südtiroler ein Ende setzen werde. Er war auch gegen die Wiedergewährung der italienischen Staats- bürgerschaft an die Optanten. Auch der nach Brasilien entsandte Botschafter Augusto Martini war trotz Ratifizierung des Abkommens gegen dessen Auf- nahme in den Friedensvertrag und somit auch gegen dessen Koppelung an eine internationale Garantie. De Gasperi vertrat jedoch die Ansicht, dass das Abkommen einen wesentlichen Beitrag zur Lösung der Minderheitenfrage Italiens leiste und somit auch Vorbildwirkung habe70. Für eine Konfliktlösung sollten die Unruhen in Südtirol beendet werden, Österreich solle dem irre- dentistischen Postulat ein Ende setzen. De Gasperi war sich aber der Gefahr bewusst, dass der Konflikt in Zukunft wieder aufflammen könnte. Das Ab- kommen verurteilte die Politik des Faschismus und das „unnütze Streben der Politik nach der Zerstörung der Südtiroler Minderheit“71. Im Gegensatz zu Carandini sah De Gasperi im Abkommen zwar nicht die Voraussetzung, dass Südtirol bei Italien blieb, aber als notwendigen Schritt zur politischen Beru- higung, wobei ihm auch der moralische Aspekt wichtig war72. In Österreich wurde die Unterschrift Grubers als Scheitern angesehen, er wurde sogar mit dem Verräter Franz Raffl verglichen, der angeblich den Franzosen das Ver- steck des Tiroler Volkshelden Andreas Hofer verraten hatte. Am Innsbrucker Bahnhof wurde Gruber sogar Opfer eines Stockattentats. Am 31. Januar 1948 wurde das erste Autonomiestatut für die Region Trenti- no-Südtirol (Trentino-Tiroler Etschland) von der Verfassungsgebenden Ver- 68 Ebd., Doc. 261, 311. Fast das ganze Dokument wurde zum ersten Mal von Giulio An- dreotti bekannt gemacht, der angab, es von seinen Notizen erstellt zu haben, siehe Giulio Andreotti, De Gasperi visto da vicino (Milano 1986) 108–112. Er war damals in Paris und bestätigte, bei der Sitzung anwesend gewesen zu sein, auch wenn sein Name nicht auf der Teilnehmerliste der DDI stand. 69 DDI, X Serie, IV, Doc. 261, 311. 70 Ebd. 71 Ebd. 312. 72 Ebd.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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