Seite - 382 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Bild der Seite - 382 -
Text der Seite - 382 -
382
Federico Scarano
sammlung gebilligt. De Gasperi hatte die von der SVP geforderte Bezeich-
nung Trentino-Südtirol nicht akzeptiert. Am 2. Februar 1948 wurde das Sta-
tut als Verfassungsgesetz verankert73. Am selben Tag folgte das Dekret zur
Revision der Option74.
2. Von der Zusammenarbeit zum Konflikt
(1948–1961)
Die Beziehungen zwischen Österreich und Italien hatten sich nach dem
Gruber-De Gasperi-Abkommen deutlich verbessert, auch die Wirtschafts-
beziehungen waren sehr eng. Beim Besuch Grubers in Rom im November
1948 – bei dem die Südtirol-Problematik ausgeklammert war –, wurde dies
bestätigt75. De Gasperi kam, wie Leopold Steurer schrieb, den Wünschen
Österreichs im Rahmen von Wirtschafts- und Handelsabkommen soweit
als möglich entgegen76. Schwierigkeiten blieben aber hinsichtlich der Be-
handlung der Optanten bestehen, vor allem hinsichtlich der Frage, ob auch
diejenigen Südtiroler die italienische Staatsbürgerschaft zurückbekom-
men sollten, die mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet hatten.
Besonders kontrovers war der Fall des ehemaligen Präfekten unter national-
sozialistischer Besatzung, Karl Tinzl, der Kanonikus Gamper nahestand und
als graue Eminenz der SVP galt77. Auch hinsichtlich der Umsetzung des Auto-
nomiestatus tauchten Probleme auf und De Gasperi verwahrte sich gegen
Einmischungen aus Österreich78. Gegenüber dem britischen Außenminister
Ernest Bevin meinte er am 1. Februar 1950: Abgesehen von der unvermeidlichen
73 Statuto speciale per il Trentino-Alto Adige, in: Presidenza del Consiglio dei Ministri,
Ufficio regioni, L’accordo De Gasperi-Gruber sull’Alto Adige. Dalle sue premesse storico-po-
litiche all’attuazione nell’ordinamento italiano (Roma 1958) 123–142.
74 Ebd. 145–153.
75 Scarano, Italia e mondo tedesco 27 f.
76 Leopold Steurer, Il problema dell’Alto Adige/Südtirol nei rapporti italo-austriaci
(1945–1955) in: La difesa dell’italianità. L’ufficio per le zone di confine a Bolzano, Trento e
Trieste (1945-1954), hrsg. von Diego D’Amelio, Andrea Di Michele, Giorgio Mezzalira (Bolo-
gna 2015) 121.
77 Zu Tinzl siehe Annuska Trompedeller, Karl Tinzl (1888–1964). Eine politische Biografie
(= Innsbrucker Forschungen zur Zeitgeschichte 24, Innsbruck 2007).
78 Scarano, Italia e mondo tedesco 28.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918