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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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384 Federico Scarano im Jahr 1958 hatte Berloffa einen Sitz gewonnen, zum Nachteil seines Parteikol- legen Angelo Facchin. Dieser gehörte der konservativen und nationalistischen Seite der christdemokratischen Partei83 an. Im Allgemeinen stimmten auch die italienischen Linken dieser Kritik zu, auch wenn sie die SVP und die DC (De- mocrazia Cristiana) beschuldigten, ein Abkommen geschlossen zu haben, um sich die Region auf Kosten der Bevölkerung aufzuteilen84. Im Gegensatz zur Meinung Rolf Steiningers gab es jedoch keine ge- plante Italianisierung und Zuwanderung85. Es gab zwar eine Migrationsbe- wegung, die aber geringer war als jene, die nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem in den 1960er-Jahren86 von Süd- nach Norditalien zu verzeichnen war. Wenn man bedenkt, dass die deutschsprachige Bevölkerung Südtirols zwischen 1918 und 1953 von 97 auf 66 Prozent zurückging, so ist die Beun- ruhigung der Südtiroler nachvollziehbar. Kanonikus Walter Gamper schrieb am 28. November 1953 in der Zeitung „Dolomiten“ vom „Todesmarsch“ der Südtiroler, die von der Migration der Italiener erdrückt würden87. Der am 15. April 1956 verstorbene Gamper beeinflusste mit seinem Prestige unbewusst die Attentäter der ersten Bombenanschläge, darunter sowohl die sieben At- tentäter der kleinen Gruppe, die vom 20. September 1956 bis zum 17. Jänner 1957 von Hans Stieler angeführt wurde, als auch jene des BAS (Befreiungs- ausschuss Südtirol), dessen Kopf Sepp Kerschbaumer, ein strenggläubiger 83 Scarano, La Commissione 248–249, 262. 84 Zur Position der Linken Partei siehe das zeitgenössische Werk von Edio Vallini, La questione dell’Alto Adige (Firenze 1961). 85 Rolf Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror I 233 ff. 86 Zum dieser Frage siehe Giorgio Mezzalira, Una seconda italianizzazione forzata? L’immigrazione italiana in Alto Adige dal 1945 al 1955, in: D’Amelio, Di Michele, Mezzalira, La difesa dell’italianità 153–178; Leopold Steurer, Historische Hintergründe zur Feuernacht, in: Ein Tirol – zwei Welten. Das politische Erbe der Südtiroler Feuernacht vom 1961, hrsg. von Manuel Fasser (Innsbruck 2009) 168. Beide Autoren sind sich darüber einig, dass die Migration der Italiener 20.000–25.000 Personen betraf. Der Geburtenüberschuss der deutsch- sprachigen Bevölkerung hat die Migration der italienischsprachigen mehr als ausgeglichen, wie Steurer festhält. Die österreichische Regierung hat das Migrationsproblem Italiens dann der italienischen Regierung in Bezug auf die Nichterfüllung des Gruber-De Gasperi-Abkom- mens und der daraus resultierenden Diskussionen und Konflikte vorgeworfen. Am 24. Juni 1961 ging Italiens Außenminister Segni bei einem bilateralen Treffen mit Österreichs Au- ßenminister Bruno Kreisky in Zürich entschlossen auf dessen Anschuldigungen ein. Laut Segni sei die deutschsprachige Bevölkerungsgruppe von 1951 bis 1961 um 14,49 % gewach- sen und die italienischsprachige um 12,84 %. ASP 1959–1969 III, Doc. 175 425–436, Doc. 177 441–451. 87 Steininger, Südtirol zwischen Demokratie und Terror, I 156 ff.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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