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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 387 -
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387 Italien und die Südtirolfrage von De Gasperi bis Moro ten Giovanni Gronchi. Auch Außenminister Pella bestritt am 21. September 1959 vor der UNO die Vorwürfe des österreichischen Außenministers Bruno Kreisky95. Tatsächlich hielten sich christdemokratische Politiker wie Segni und Scelba an das von De Gasperi vorgegebene Schema, den deutschsprachigen Minderheiten zwar Konzessionen zu gewähren, Abspaltungstendenzen aber zu unterbinden. Man hegte Bewunderung für den Antikommunismus und den starken Glauben der Südtiroler, meinte aber, dass eine autonome Region nur der erste Schritt zur Loslösung von Italien wäre. Außerdem verwehrte man sich gegen Einmischungen aus Österreich. Als Ministerpräsidenten versprachen Scelba, Segni und Fanfani, die Forderungen der Südtiroler zu prüfen, tatsächlich wurde aber nichts unter- nommen, um ihnen entgegenzukommen. Im Februar 1958 begannen in Wien auf Wunsch Fanfanis schwierige Verhandlungen mit Österreich, wobei ab 1959 Bruno Kreisky die österrei- chische Außenpolitik führte. Sein Ziel war es, diese Frage vor die UNO zu bringen. Die Lösung der Südtirolfrage stand im Mittelpunkt seiner Politik und sollte das Österreichbewusstsein stärken96. Die vollständige Autonomie Südtirols hielt er für unabdingbar, wobei er nicht davor zurückscheute, mit Südtirol-Aktivisten wie Sepp Kerschbaumer, Joseph Fontana, Georg „Jörg“ Klotz, die mittels Attentaten für die Selbstbestimmung Südtirols kämpften, in Kontakt zu treten. In seinen Memoiren schreibt Kreisky, dass er sie getrof- fen hätte, um sie von den Gewalttaten97 abzubringen. Die heutige Geschichts- schreibung geht jedoch davon aus, dass er die Attentate tolerierte, um da- durch den Konflikt zu lösen98. 95 Siehe Scarano, La diplomazia italiana 63. 96 Bruno Kreisky, Im Strom der Politik. Erfahrungen eines Europäers (Berlin 1991) 148; Peterlini, Feuernacht 65–68; Gehler, Österreichs Außenpolitik 310–311; Ders., Bruno Kreisky, Italien und die Deutsche Frage, in: Gehler, Guiotto, Italien, Österreich und die Bundesrepu- blik Deutschland in Europa 176–188; Elisabeth Röhrlich, Kreiskys Außenpolitik. Zwischen österreichischer Identität und internationalem Programm (Göttingen 2009) 210–217. 97 Kreisky, Im Strom 158. 98 Peterlini, Feuernacht 66–69; Gehler, Bruno Kreisky; Ders., „Irgendwie dramatisie- ren“. Südtirol als „Unruheherd“ und das „Problem Österreich“ – Kreiskys diplomatisch-poli- tische Offensive im Jahr 1958, in: FF 44 (2008) 53; Röhrlich, Kreiskys Außenpolitik 210–217, die auch die Meinungen anderer Historiker miteinander vergleicht. Sie glaubt an die These von Kreisky. Siehe auch Christoph Franceschini, Bruno Kreisky und die Attentäter – Mythos
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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