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Federico Scarano
Im September 1960 brachte Kreisky im Rahmen der XV. Generalver-
sammlung das Südtirol-Problem vor die UNO. Italien wurde der Nichterfül-
lung des Gruber-De Gasperi-Abkommens bezichtigt und Rom aufgefordert,
Südtirol den Status als autonome Region zuzuerkennen. Der italienische Vor-
schlag, den Internationalen Gerichtshof in Den Haag damit zu befassen, wur-
de abgelehnt. Es kam zu einem heftigen Streit zwischen Kreisky und Franz
Gschnitzer, dem Tiroler Staatssekretär im Außenamt auf der einen Seite und
Außenminister Antonio Segni und dem ehemaligen Außenminister und Vor-
sitzenden der italienischen Delegation bei der UNO, Antonio Martini, auf der
anderen Seite.
Am 31. Oktober forderte die UN-Generalversammlung die Streitpartei-
en auf, Verhandlungen zur friedlichen Beilegung des Streits aufzunehmen99.
3. Die Feuernacht als Höhepunkt der
Anschläge, die Reaktion Italiens und die
Neunzehnerkommission
Am Vorabend des Treffens zwischen den italienisch-österreichischen Exper-
ten in Zürich am 13. und 14. Juni und wenige Stunden nachdem Außenmi-
nister Segni im italienischen Fernsehen eine Erklärung abgab, in der er be-
kräftigte, dass er überzeugt war, dass man für diesen Konflikt, der sich zu
verschlimmern drohte100, eine zufriedenstellende Lösung finden könne, kam
es zu 47 zugleich stattfindenden Bombenanschlägen in Südtirol, die als Feu-
ernacht in die Geschichte eingingen. Sie fanden in der Nacht vom 11. auf den
12. Juni 1961 statt, anlässlich des Herz-Jesu-Festes, eine der wichtigsten Fei-
erlichkeiten Tirols, bei dem viele Bergfeuer entzündet werden. Der Straßen-
arbeiter Giovanni Postal kam durch die Explosion einer Bombe ums Leben101.
Der BAS rund um Kerschbaumer lehnte Verhandlungen ab, ihr Ziel war ein
und Wirklichkeit, in: Pfeifer–Steiner, Bruno Kreisky 123–151, der die Dokumente aus dem
Archiv des Politikers untersuchte.
99 Siehe Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror II 249 f.; Scarano, La di-
plomazia italiana e il difficile rapporto con Bruno Kreisky 69.
100 Für den Text des Interviews siehe Ritschel, Diplomatie um Südtirol 372–375.
101 Steininger, Südtirol zwischen, Diplomatie und Terror II 472; Ders., Die Feuernacht
und was dann? Südtirol und die Bomben 1959–1969 (Bozen 2011); Peterlini, Feuernacht 342.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918