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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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392 Federico Scarano ter, nachdem die Strafe verbüßt war, behauptet, dass es ihren Taten und vor allem der Feuernacht zu verdanken gewesen sei, dass sich die italienische Regierung zu einem Entgegenkommen entschlossen habe. Auch Magnago und Volgger bekräftigten viele Jahre später, dass sich Italien ohne die Attenta- te nie zur Bildung der Neunzehnerkommission115 entschlossen hätte. Michael Gehler und Rolf Steininger sind der gegenteiligen Auffassung, die Gegensät- ze seien dadurch noch verschärft worden, die Anschläge hätten den Dialog sabotiert, die Autonomie war nicht im Sinne der Terroristen116. Schon vor der Feuernacht hatte Mario Scelba Vertretern der SVP einen Dialog angeboten, um – unter Ausschluss Österreichs – über das Autonomiestatut zu sprechen. Die SVP wollte damals nicht darauf eingehen, es wurde eine völlige Selbst- bestimmung angepeilt. Für die Österreicher Franz Gschnitzer und Viktoria Stadlmayer konnte diese Eigenständigkeit nur ohne Bomben erreicht werden und auch Rolf Steininger schreibt, dass jede Möglichkeit, die Autonomie zu erreichen, weggebombt wurde117. Rudolf Lill meint hingegen, dass die von der Gruppe Kerschbaumers verübten Anschläge einen positiven Beitrag ge- leistet hätten, im Gegensatz zu den späteren neonazistischen Anschlägen, die auch Menschenleben forderten. Lill rechnete die Autonomie Magnago und seiner SVP sowie der österreichischen Regierung, vor allem Kreisky, und den italienischen Politikern Scelba, Moro und Saragat an118. Tatsächlich war die italienische Regierung nach der Feuernacht im Vorteil. Die SVP musste nicht nur auf die Selbstbestimmung verzichten, son- dern auch auf die autonome Region Südtirol, wohingegen sich Österreich nach 1961 nicht mehr an die UNO wandte. Scelbas Plan, Österreich von den Verhandlungen auszuschließen, war nicht möglich, wenn man zu einer Kon- fliktlösung gelangen wollte, wie Moro und Saragat richtigerweise feststell- ten119. Die Südtirolfrage verschärfte sich weiter, als die Südtiroler die italieni- schen Streitkräfte beschuldigten, die inhaftierten Attentäter der Feuernacht 115 Silvius Magnago, Das Vermächtnis, Bekentnisse einer politischen Legende, hrsg. von Hans Karl Peterlini (Bozen 2007) 67 f., 71, 75; Volgger, Mit Südtirol 233 f. 116 Steininger, Südtirol zwischen Diplomatie und Terror II 559–562, 650–658; Ders., Die Feuernacht 48–68; Leopold Steurer, Südtiroler Publikationen; Michael Gehler, „... dass keine Menschenleben“, 223, 230–234, 244–248. 117 Steininger, Die Feuernacht 53–57. 118 Lill, Südtirol 305. 119 Siehe Scarano, Aldo Moro 520.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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