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Federico Scarano
staatlichen Auftrag Amplatz ermordete und Klotz verletzte. Er wurde verhaf-
tet, wenig später verhalf man ihm aber zur Flucht132.
4. Aldo Moro und die Lösung der Südtirolfrage
Aldo Moros Kompromissbereitschaft – er war von 1959 bis 1964 Parteivor-
sitzender der Democrazia Cristiana – war entscheidend. Von Dezember 1963
bis Juli 1968 bekleidete er das Amt des Ministerpräsidenten der ersten Mit-
te-Links Regierung unter Einschluss der Sozialisten, anschließend war er
Außenminister. Mithilfe seines Bozener Parteikollegen und Freundes Alcide
Berloffa stand er mit Silvius Magnago in Verbindung. Moro war entschlos-
sen, das Problem zu lösen. Er hatte schon bei der Ausarbeitung der repu-
blikanischen Verfassung eine wichtige Rolle gespielt und Pietro Pastorelli
meint, dass Moro den Konflikt nicht nur aus innenpolitischen und morali-
schen Gründen lösen wollte, sondern dass dies Teil seiner außenpolitischen
Strategie zur Überwindung des Kalten Krieges war. Moro wollte einen Block
von Staaten guten Willens gründen, der die neutralen Staaten Österreich und
Jugoslawien, Italien und Ungarn oder auch Polen umfassen sollte133.
Am 14. Dezember 1963, am Tag nach dem Amtsantritt der Regierung
Moro, kam es in Paris zum ersten Treffen zwischen dem neuen italienischen
Außenminister Giuseppe Saragat und seinem österreichischen Amtskollegen
Bruno Kreisky. Wie Moro war auch Saragat von der Notwendigkeit einer Ei-
nigung überzeugt. Er pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zur deutsch-
sprachigen Welt, vor allem zu Österreich134. Der Vorsitzende der italienischen
sozialdemokratischen Partei war, wie Kreisky, ein überzeugter Antikommu-
nist. Moro und Saragat brachten dem österreichischen Außenminister großes
Vertrauen entgegen und glaubten ihm, dass sich die Zentrale der Südtiroler
Terroristen in München und nicht in Österreich befand135. Saragat erinnerte
132 Ebd. 34, 46–49,72 ff., 110; Peterlini, Feuernacht 320 f., 355–358.
133 Pietro Pastorelli, L’Italia e la Grande Distensione (1968–1975), in: La politica estera
italiana negli anni della Grande Distensione (1968–1975), hrsg. von Pia G. Celozzi Baldelli
(Roma 2009) 37; Scarano, Aldo Moro 515 f.
134 Ebd. 518.
135 Pier Luigi Ballini, Antonio Varsori, L’Italia e l’Europa 1947–1979 (Roma–Soveria
Mannelli 2004) 174, 640 f.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918