Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 405 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 405 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 405 -

Bild der Seite - 405 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 405 -

405 Die Südtirolfrage und die Bundesrepublik Deutschland (1966–1969) europa geknüpft hatte und mit Geheimagenten in Verbindung stand9. Das deutsche Auswärtige Amt agierte daher äußerst zurückhaltend. Als im März 1966 die österreichische Botschaft um eine Einreise- und Aufenthaltsgeneh- migung für Georg Klotz in Deutschland ansuchte, wurde diese abgelehnt. Man habe fassungslos und mit Entsetzen auf die österreichische Anfrage re- agiert, hieß es, vor allem angesichts der wiederholten Versuche Österreichs, die Schuld an den in Südtirol verübten Terroranschlägen Deutschland und insbesondere Bayern anzulasten. Würde sich die deutsche Regierung bereit erklären – so das Auswärtige Amt – Klotz, der übrigens italienischer Staats- bürger war, einreisen zu lassen und ihm Asyl zu gewähren, so würde diese Entscheidung die Anschuldigungen einer Mitbeteiligung Deutschlands an den Terroranschlägen in Südtirol bestätigen10. So gefährdete insbesondere das Attentat auf der Steinalm (Malga Sasso) im September die guten Beziehungen zu Rom. Staatspräsident Giuseppe Saragat sprach von einer beschämenden He- rausforderung des demokratischen Italien durch den Neonazismus und die Presse mutmaßte über eine deutsche Mitverantwortung. Gaja stellte gegenüber dem deutschen Botschafter Herwarth klar, dass diese Ereignisse die Freundschaft zwischen Italien und Deutschland schwer belasteten11. Aber auch innenpolitisch kam es in allen drei Staaten zu Veränderun- gen. In Wien brachten die Nationalratswahlen vom 6. März 1966 der ÖVP die absolute Mandatsmehrheit, was die Bildung einer Einparteienregierung un- ter Kanzler Klaus ermöglichte. Im Februar wurde Bruno Kreisky nach einer Kampfabstimmung zum Parteivorsitzenden gewählt. Der neue Außenminis- ter Lujo Tončić-Sorinj war nun für die Südtirol-Problematik zuständig. Nach anfänglichen Fortschritten in den Verhandlungen zwischen Kreisky und Sa- ragat war der Dialog ins Stocken geraten, nachdem sich Tirol geweigert hatte, die Lösungsvorschläge der von der italienischen Regierung zu diesem Zweck eingesetzten Neunzehnerkommission zu akzeptieren; gleichzeitig verlang- ten die verstärkten Terroraktivitäten mehr Härte seitens der italienischen Regierung. Erschwert wurde die Situation für den neuen Minister in Wien durch den Beschluss seines Vorgängers, als „Libero“ im Spiel zwischen Wien 9 Ebd. 10 PAA, B130, Band 2442A, Anmerkung I Abteilung Auswärtiges Amt, 4. März 1966 (vertraulich). 11 Ebd.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung