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Giulia Caccamo
und Bozen aufzutreten. Er forderte für sich und den linken Flügel innerhalb
der SVP unter Egmont Jenny eine aktive Rolle ein, was aber häufig im Wider-
spruch zur Untätigkeit der Wiener Regierung stand.
Auch in Bonn kam es mit dem Rücktritt von Kanzler Erhard im De-
zember 1966 zu einer radikalen Kehrtwende in der deutschen Innenpolitik.
Mit der Aussicht auf eine finanzielle Sanierung und die Umsetzung wichtiger
Reformen entstand die Große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD. Der
Ministerpräsident von Baden-Württemberg – Kurt Kiesinger von der CDU
– wurde Kanzler, sechs Ministerien wurden der SPD übertragen und Willy
Brandt wurde Vizekanzler und Außenminister.
1967 begann in der Bundesrepublik eine Erneuerungsphase, deren Hö-
hepunkte der Wahlerfolg der SPD bei den Wahlen 1969 war sowie die nach-
folgende Koalitionsregierung von Sozialisten und Liberalen, mit der die CDU
– das erste Mal in ihrer Geschichte – in Opposition gehen musste.
Der außenpolitische Kurs unter der Führung des ehemaligen Bürger-
meisters von Berlin änderte sich jedoch nicht sofort. In Italien wurde ein ähn-
liches innenpolitisches Experiment seit 1963 mühsam vorangetrieben, aller-
dings verbunden mit einer starken politischen Instabilität. Aldo Moro erhielt
im Februar 1966 den Auftrag zur Bildung seines dritten Kabinetts. Die drei
außenpolitischen Prioritäten Italiens waren Europa, das atlantische Verhält-
nis und die Entspannung, die allerdings nicht immer kontinuierlich verfolgt
wurden12.
Die innenpolitischen Entwicklungen in Rom und Bonn beeinflussten
auch die Außenpolitik der beiden Staaten. Aus der Überzeugung heraus, dass
eine Wiedervereinigung nur durch Entspannung im europäischen Rahmen
möglich wäre, leitete die von Deutschland in den Vordergrund gestellte Brü-
ckenfunktion zwischen Ost und West in Europa eine neue Ostpolitik ein13.
Solide Bündnisse im Rahmen der NATO und des gemeinschaftlichen Euro-
pas wurden wichtiger denn je. In der Debatte um den Beitritt zum Atom-
waffensperrvertrag sahen sich Italien und Deutschland, beides Länder ohne
eigene Nuklearwaffen, mit denselben Unsicherheiten und Ängsten bezüglich
12 Federico Imperato, Aldo Moro e la pace nella sicurezza. La politica estera del centro-si-
nistra 1963–68 (Bari 2011) 158 f.
13 Christian Hacke, Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von Konrad
Adenauer bis Gerhard Schröder (Berlin 2003) 134.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918