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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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407 Die Südtirolfrage und die Bundesrepublik Deutschland (1966–1969) der eigenen Zukunft konfrontiert14. Außerdem erschwerte die Maßlosigkeit Charles De Gaulles in Bezug auf Europa – sowohl beim Thema Verteidigung als auch bei der politischen und wirtschaftlichen Integration – den Fortbe- stand der Achse Paris – Bonn, die bereits unter den politischen Veränderun- gen unter Kanzler Erhard gelitten hatte15. Bonn war sich über Befürchtungen in Italien hinsichtlich einer wirt- schaftlichen, politischen und militärischen Ausgrenzung im Falle einer en- geren französisch-deutschen Zusammenarbeit bewusst – umso wichtiger war eine europäische Eingliederung des Landes16. Die Bedeutung der Südtirol- frage für die bilateralen Beziehungen mit Rom wurde auch in Bonn erkannt. Der herzliche Empfang Brandts bei seinen Treffen mit Moro, Amintore Fanfani und Präsident Saragat anlässlich der Konferenz der Sozialistischen Internatio- nalen in Rom im Jänner 1967 zeigte den Willen der italienischen Regierung, eine neue Phase der Zusammenarbeit mit Bonn einzuläuten. Auch in Bonn galt Ministerpräsident Moro als zuverlässiger Gesprächspartner, als Meister in der Kunst der Einigung und effektiver Garant politischer Stabilität17. Die österreichisch-italienischen Beziehungen erreichten hingegen im Sommer 1967 ihren tiefsten Punkt seit 1946. Der Prozess in Linz gegen 15 Angeklagte, die beschuldigt worden waren, an den Terrorakten in Südtirol beteiligt gewesen zu sein, endete im Mai mit einem kollektiven Freispruch. Das Attentat an der Porzescharte am 25. Juni hatte vier Carabinieri das Leben gekostet. Vier Tage später widersetzte sich Italien beim Treffen des Minister- rats der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ der Aufnahme von Verhandlungen mit Österreich zum Abschluss eines Assoziierungsab- kommens. Rom stellte zwar einen direkten politischen Zusammenhang in Abrede, doch war der politische Druck, den Italien auf Österreich ausübte, offensichtlich. Die ÖVP-Regierung in Wien war aufgrund der engen wirt- schaftlichen Verflechtungen auf dieses Abkommen angewiesen, um die Vor- 14 Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPBD), 1967, Dok. 140, https://doi.org/10.1524/9783486718201, Gespräch zwischen Kiesinger und Moro 24. April 1967. 15 Ebd. 16 AAPBD, 1967, Dok.243, https://doi.org/10.1524/9783486718201, Gespräch Brandt Bock 5. Juli 1967. 17 PAA, Bestand B24, Band 601, Bericht zum Besuch von Außenminister Brandt in Rom, 7. Februar 1967.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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