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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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408 Giulia Caccamo teile eines gemeinsamen Marktes nutzen zu können, auch wenn die Sowjets darin eine Unvereinbarkeit mit dem Neutralitätsstatus sahen. Noch größere Probleme ergaben sich aus dem Artikel 4 des Staatsvertrags, dem Anschluss- verbot, das direkte oder indirekte wirtschaftliche Bündnisse ausdrücklich untersagte. Im Falle eines Bestehens auf dieser Interpretation durch die Sow- jetunion wäre ein Abkommen in dieser Form daher nicht möglich gewesen18. In der öffentlichen Meinung regten sich Zeichen des Unmuts, da die beiden grundlegenden Probleme der österreichischen Außenpolitik – das Südti- rol-Problem und das Assoziierungsabkommen mit dem europäischen Bin- nenmarkt – unlösbar miteinander verflochten waren. Die zaghaften Versuche einer Ostpolitik – oder Donauraumpolitik – unter Bundeskanzler Klaus wa- ren erfolglos und innenpolitisch umstritten19. Die SPÖ sah darin keine Vor- teile und warnte vor einer wirtschaftlichen Abhängigkeit von den Ländern Osteuropas. Auch bei den Deutschen löste dieser verhaltene Annäherungs- versuch an den Ostblock keine Begeisterung aus. Zwar betonte die österrei- chische Regierung – unter Berücksichtigung der eigenen Neutralität – stets ihr Verständnis und ihre Sympathie für die deutsche Wiedervereinigung, Deutschland meinte aber, dass das Wiederaufleben der traditionellen Be- ziehungen des alten Österreich mit Osteuropa hierbei nicht hilfreich wären. Letztlich warf man Österreich eine kraftlose Politik vor, basierend auf dem Irrglauben, dass sich nichts verändert habe, während die osteuropäischen Gesellschaften eine strukturelle Veränderung im Bereich politischer und so- zialer Beziehungen erfahren hatten. Außerdem herrschte in den meisten die- ser Staaten eine negative Geschichtsauffassung gegenüber Österreich vor. Ein österreichisches Missionsbewusstsein und der Anspruch, eine Brücke zwi- schen den Blöcken zu schaffen, wurde von den osteuropäischen Diplomaten und Politikern bestenfalls mit Ironie betrachtetet. Eine Mittlerfunktion Ös- terreichs als Dreh- und Angelpunkt für den Handel zwischen Ost und West 18 PAA, Bestand B26, Band 357, Bericht zum Besuch von Kanzler Klaus in der UdSSR, 21. März 1967. 19 PAA, Bestand B26, Band 357, Bericht von der deutschen Botschaft in Wien (Löns): Die österreichische Regierung und die innen- und außenpolitischen Schwierigkeiten, 14. No- vember.1967 und Bericht derselben Botschaft vom 9. Juli 1967, in dem ausführlich die Kritik der österreichischen Presse dargelegt wird.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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