Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 410 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 410 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 410 -

Bild der Seite - 410 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 410 -

410 Giulia Caccamo Die deutsche Regierung kam nach anfänglicher Ratlosigkeit und Lähmung zur realistischen Erkenntnis, dass Italien bei der Südtirol- und EWG-Frage am längeren Hebel sitzt, weswegen strengere Maßnahmen gegen den Terrorismus ergriffen werden sollten23. Am 17. Juli goss jedoch der „Spiegel“ mit der Ver- öffentlichung eines Interviews mit Norbert Burger unter dem Titel „Attentate sind notwendiger denn je“ weiter Öl ins Feuer. In dem Artikel theoretisiert Burger, von den Fragen des Interviewers gedrängt, die Notwendigkeit, Süd- tirol mithilfe von Bomben zu einem permanenten Krisenherd zu machen, um Europas Aufmerksamkeit zu gewinnen. Die unvermeidbaren italienischen Proteste brachten die österreichischen Behörden dazu, das Magazin zu be- schlagnahmen und einen Haftbefehl gegen Burger zu erlassen. Da es sich um eine deutsche Zeitschrift handelte, waren die Folgen naheliegend. Dem Geschäftsträger der Botschaft in Bonn kam die Aufgabe zu, die italienische Besorgnis darüber zu übermitteln, dass ein in der Bundesrepublik heraus- gegebenes Printmedium ein solches Interview veröffentlicht hatte. Schütz, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, schrieb einen Brief an Rudolf Augstein, den Gründer und Herausgeber der Wochenschrift. Obwohl er die guten Ab- sichten des Redakteurs nicht infrage stellte, kritisierte er, dass Burger die Möglichkeit gegeben wurde, zur Fortsetzung des Terrorismus aufzurufen. Die Presse habe volles Recht die Leser zu informieren, schrieb Schütz, aber man dürfe nicht so weit gehen, dass man einem bekannten Unruhestifter die Möglichkeit gebe, das friedliche Zusammenleben in Südtirol zu sabotieren24. Nach dem zweiten Attentat an der Porzescharte Ende Juli entschied Außen- minister Fanfani, Befürworter einer harten Gangart, auf eine offizielle Be- teiligung Italiens an der Messe in Wien zu verzichten. Die von der Wiener Regierung ergriffenen Maßnahmen, darunter der Einsatz des Bundesheeres, brachten nicht die gewünschte Wirkung. In Rom wurde dieser Eingriff als für diese Zwecke ungeeignet erachtet, weil die verschiedenen Patrouillen in Abhängigkeit von den großteils Tiroler Polizeikräften agierten, welche dazu geneigt waren, sich mit den Bergführern und Bewohnern der Grenzregionen zu verbrüdern. Zudem kursierten Gerüchte, dass die österreichische Strenge 23 PAA, Bestand B24, Band 603, Bericht von der deutschen Botschaft in Wien: Die ös- terreichische Reaktion auf die italienische Unterdrückung der terroristischen Handlungen, 12. Juli 1967. 24 PAA, Bestand B24, Band 603, Schreiben von Schütz an Augstein, ohne Datum.
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung