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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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414 Giulia Caccamo sie ab 1966 dafür vorab die Genehmigung einholen32. Die Regierung in Bonn geriet durch diese Förderungen in Verlegenheit. Besonders das „Kulturwerk für Südtirol“, die bedeutendste deutsche Organisation zur Finanzierung kul- tureller Aktivitäten in Südtirol, wurde in der italienischen Presse als einer der heimlichen Sponsoren des Terrorismus genannt. Solche Beschuldigun- gen, für die keine Beweise vorlagen, wurden üblicherweise vom Außenmi- nisterium, das die vollkommene Rechtmäßigkeit der Aktivitäten der Vereine bestätigte, zurückgewiesen. Andererseits waren die wichtigsten Funktionen des Vereins von deutschen Politikern besetzt – begonnen bei ihrem Präsiden- ten, dem Abgeordneten (und Vizepräsidenten) der liberalen Partei Josef Ertl, bis hin zu den beiden Vizepräsidenten Horst Herold und Georg Wimmer, wobei Ersterer Leiter der Nürnberger Kriminalpolizei war und Letzterer Rat des Landes Baden-Württemberg. Dies widersprach der sonst in Bonn geüb- ten Äquidistanz hinsichtlich Südtirols. Im Falle des „Kulturwerks“ bestand nachweislich kein Zusammenhang mit der Finanzierung des Terrorismus und auch die Südtiroler Volkspartei erhielt von dieser Seite kein Geld – den- noch handelte es sich um einen politisch motivierten pekuniären Zuschuss durch die deutsche Regierung, was in anderen Fällen sogar noch deutlicher wurde. So erhielt die SVP Mittel aus der „Europäischen Stiftung für Friedens- fragen“ – eine Einrichtung, die ausschließlich durch die deutsche Bundesre- gierung finanziert wurde. Außerdem bekam Südtirol heimlich Finanzhilfen zur Förderung kultureller Aktivitäten und nicht näher präzisierter kirchli- cher Einrichtungen33 – nicht über das Außenministerium, sondern über das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen. Ab 1968 befürchtete das Auswärtige Amt eine Gefährdung der guten Beziehungen zwischen Bonn und Rom – nicht nur wegen eines möglichen Be- kanntwerdens der verwobenen Zusammenhänge bei der finanziellen Unter- stützung Südtirols, sondern vor allem wegen der Verwicklung des Bundesmi- 32 PAA, Bestand B24, Band 604. Im August 1966 wurde das Gesetz vom 5. November 1934 für gegenstandslos erklärt, welches die Mittelbeschaffung zugunsten Südtirols ohne vorhe- rige Genehmigung verbot. 33 PAA, Bestand B130, Band 9756A, von Minister Wehner (Bundesministerium für ge- samtdeutsche Fragen) an Brandt, 25. März 1968, (geheim). Die kirchlichen Einrichtungen hatten in diesem Fall eine reine Vermittlungsfunktion. Das Ministerium machte im Rahmen eines geheimen Ausgabenbereiches Spenden zu ihren Gunsten und leitete die Hilfen auf in- formellem Wege weiter.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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