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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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415 Die Südtirolfrage und die Bundesrepublik Deutschland (1966–1969) nisteriums für gesamtdeutsche Fragen, das sich in diesem Fall mit Angelegenhei- ten beschäftigte, die es streng genommen nicht betrafen. Wie die erste Abteilung des Auswärtigen Amtes anmerkte, stellte Südtirol einen Sonderfall hinsichtlich der Maßnahmen zugunsten der deutschen Kultur und Sprache dar. Deutsch- land hätte diese Aufgaben Österreich überlassen müssen, das sich ja auch nicht an der Förderung der Verbreitung der deutschen Sprache in Nordschleswig be- teiligte34. Die Bundesrepublik verfolgte diesen außenpolitischen Kurs seit Jah- ren und sie wollte ihre Glaubwürdigkeit vor ihrem engsten Verbündeten Italien keiner Belastung aussetzen. Deshalb schlug der Minister für gesamtdeutsche Fragen, Wehner, mit Unterstützung Brandts vor, diese Strategie zu überdenken. Die möglichen Lösungen reichten von der Streichung jeglicher Hilfen, die von Italien nicht klar nachzuvollziehen waren, bis hin zu einer strengeren Kontrolle der Empfänger, um das Risiko von Enthüllungen auszuschließen. Man befürch- tete vor allem, dass die DDR Kenntnis von den geheimen Geldern haben und damit an die Öffentlichkeit treten könnte, um einen Keil zwischen Deutschland und Italien zu treiben35. Dies hätte auch zu einem Abbruch der Verhandlungen zwischen Rom und Wien geführt. Die Schuld daran wäre bei Deutschland und seinen unbedachten „Bemühungen“ hinsichtlich Südtirols verblieben. Das Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen übergab 1969 die für Südtirol reservierten Finanzmittel – eineinhalb Millionen Mark – an das Auswärtige Amt. Diesem fehlten allerdings die Kontakte zu den Mittelsper- sonen innerhalb der BRD, auch war man über die Struktur und geheimen Tä- tigkeiten der geförderten Organisationen nicht im Bilde. Aus politischer Sicht war aber ausschlaggebend, dass man bemüht war, sich dadurch eines Prob- lems zu entledigen, das für die BRD keine Priorität hatte, da es ausschließlich die Beziehungen zwischen Österreich und Italien betraf. In der deutschen Politik ließ sich also eine Art Zweigleisigkeit erkennen. Auf der einen Seite standen der Einsatz für die Vertriebenen und die zahlreichen damit verbun- denen Organisationen und politischen Gruppierungen. Demzufolge bedurf- te die deutschsprachige Minderheit in Italien auf allen Ebenen des Schutzes 34 PAA, Bestand B130, Band 9756A, Abteilung IV Auswärtiges Amt, Finanzmittel für kulturelle und kirchliche Initiativen in Südtirol, 12. Jänner 1969 (geheim). 35 PAA, Bestand B130, Band 2442A, von Herwarth an Brandt, 12. Dezember 1968 (ge- heim). Der Botschafter schreibt, den Ministerialdirigenten Schauff „nachdrücklich gewarnt zu haben“, damit keine weiteren Finanzhilfen nach Südtirol geleitet würden.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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