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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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429 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 Für Tirol bzw. Südtirol erlangte das kommunistische Selbstbestimmungs- recht der Nationen Bedeutung, weil es über die internationalen Leitlinien der Komintern auch Eingang in die Resolutionen der kommunistischen Partei Italiens fand. Auf ihrem 4. Kongress im April 1931 (der aufgrund des italie- nischen Parteienverbots im Exil in Köln stattfand) gab die Parteiführung be- kannt, sich für die Interessen der ethnischen Minderheiten sowie der in Afri- ka vom italienischen Staat unterdrückten Gesellschaften einzusetzen und de- ren Forderungen nach nationaler Selbstbestimmung bis zur Loslösung vom italienischen Staat mitzutragen33. Diese Leitlinie findet sich anschließend in einer 1932 erschienenen, deutschsprachigen Flugschrift für Südtirol, in der die Bevölkerung dazu aufgerufen wird, sich dem antifaschistischen Kampf der Kommunisten anzuschließen, um dadurch das Selbstbestimmungsrecht bzw. die Loslösung von Italien zu erreichen34. Die kommunistische Aufforderung zur Beteiligung am antifaschisti- schen Widerstand erzielte in Südtirol Anfang der 1930er-Jahre jedoch keine Breitenwirkung. Zum einen fand die illegal verbreitete Schrift mit Sicherheit nur eine sehr begrenzte Anzahl an Leserinnen und Lesern, zum anderen dürfte die bäuerliche Bevölkerung Südtirols für den revolutionären Kampf der italienischen Kommunisten wenig empfänglich gewesen sein. Darüber hinaus grenzte sich der Verfasser, Silvio Flor junior, auf Basis der damals gel- tenden Sozialfaschismusthese der Komintern radikal von der Südtiroler So- 33 Die Kommunistische Partei fordert das Selbstbestimmungsrecht bis zur Loslösung vom italie- nischen Staat für die slowenischen, kroatischen und deutschen nationalen Minderheiten sowie für die Bevölkerungen der Kolonien Libyen und Eritrea. (…) Die italienischen Kommunisten müssen konsequent gegen den italienischen Imperialismus ankämpfen und auf diese Weise das Vertrauen der unterdrückten Minderheiten gewinnen. Il IV Congresso del Partito comunista d’Italia, hrsg. vom Bureau d’Editions (Aprile 1931). Tesi e risoluzioni (Paris 1931) 15, 82. (Übers. d. Verf.) 34 Die Kommunistische Partei Italiens kämpft für die wirtschaftliche und politische Befreiung des italienischen Volkes; für Brot, Arbeit und Freiheit; für die Uebergabe des Bodens an die Bauern; für das Recht der vom italienischen Imperialismus unterdrückten slowenischen, kroatischen und deutschen nationalen Minderheiten und der Kolonialvölker sich vom italienischen Staate zu trennen; für die Be- freiung Süditaliens, Siziliens und Sardiniens von der Unterdrückung durch den italienischen Staat; für die Verteidigung Sowjetrusslands, gegen den imperialistischen Krieg und für den Frieden; für den Aufstand des italienischen Volkes, unter Leitung der Arbeiterklasse, gegen den Faschismus; für den Sturz des Faschismus und Kapitalismus auf revolutionärem Wege; für eine Arbeiter- und Bauernre- gierung, für ein Räteitalien, für die Diktatur des Proletariats. Junius [Pseudonym Silvio Flor jun.], Um Südtirols Befreiung!, Verlag der Kommunistischen Partei Italiens [ohne Ort 1932], 23 Sei- ten, hier 2. Als vollständige Textedition ist die Flugschrift nachlesbar in: Für Brot, Arbeit und Freiheit. Dokumente zur Zeitgeschichte Südtirols, hrsg. von Gerhard Oberkofler, Günther Pallaver (Bozen 1985).
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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