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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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431 Sozialistische Beiträge zur Nationalitätenfrage in Tirol und Südtirol 1890–1992 greifenden Anschlussabstimmung in Tirol für die Aufhebung des alliierten Anschlussverbots und das Zusammengehen Tirols mit der Weimarer Repu- blik39, wofür eine Abstimmungsmehrheit von 98 Prozent erreicht wurde, die jedoch keine rechtlichen Folgen zeitigte40. Als zwei Jahre zuvor die Forderung des Selbstbestimmungsrechts für Südtirol mit Unterzeichnung der Friedensverträge durch die österreichi- sche Delegation um Karl Renner (der u.a. der Tiroler Sozialdemokrat Franz Gruener angehört hatte) praktisch nicht mehr umsetzbar gewesen war, hatten Südtirols Sozialdemokraten parallel zum bürgerlichen Deutschen Verband als zweite Option ein ausführliches Autonomieprogramm entworfen41. Trotz Unterstützung durch die italienischen Sozialisten, die das Anliegen der Süd- tiroler Genossen 1920 im Rahmen der Annexionsdebatte im italienischen Par- lament vorbrachten42, blieb auch diese Forderung unerfüllt. Rückblickend stellt sich hinsichtlich der sozialdemokratischen Selbst- bestimmungs- und Autonomieinitiativen der Jahre 1919/20 lediglich die Fra- ge, ob die vorgebrachten Forderungen eine realistische Chance auf Anwen- dung gehabt hätten, wenn die italienischen Sozialisten nach ihrem Wahler- folg des Jahres 1919 die Möglichkeit des Eintritts in eine Koalitionsregierung mit bürgerlichen Parteien genutzt hätten. Dadurch, dass sie als Oppositionel- le (erst 1945 sollten sie in Rom kurzzeitig Mitregierende sein) weder in die Geschichte, durch die Gemeinsamkeit der Sprache und Kultur und durch das Wirtschaftsleben unlösbar verknüpft sind, nicht trennen lassen können, ohne der geistigen und materiellen Verkümmerung zu verfallen. Volks-Zeitung (Innsbruck, 6.5.1919) 1 f. 39 Wir sind von der einzelnen Aktion an sich nicht begeistert, aber da die Abstimmung stattfindet, müssen wir an ihr teilnehmen, denn wenn ihr auch nicht die Wirkung entspringt, die eine [österreich- weite] Bundesabstimmung auslösen muß, so hat auch sie eine große Bedeutung; sie ist der Notschrei eines Bergvolkes, das durch den Friedensvertrag, der unser Land seiner besten deutschen Gebiete be- raubt und auf ein einziges Tal reduziert hat, in seiner wirtschaftlichen Existenz auf das schwerste ge- troffen ist. Volks-Zeitung (Innsbruck, 19.4.1921) 1. 40 Zur Anschlussabstimmung in Tirol siehe Hermann J. Kuprian, Tirol und die An- schlußfrage 1918 bis 1921, in: Tirol und der Anschluss. Voraussetzungen, Entwicklungen, Rahmenbedingungen 1918–1938, hrsg. von Thomas Albrich, Klaus Eisterer, Rolf Steininger (Innsbruck 1988) 43–74. 41 Das vollständige Autonomieprogramm, in dem u.a. die Trennung von Staat und Kir- che sowie diverse Arbeitsschutzbestimmungen und die Befreiung der Südtiroler vom ita- lienischen Militärdienst gefordert werden, ist abgedruckt in der Zeitung Volksrecht (Bo- zen, 13.8.1920) 1 f., online einsehbar im digitalen Zeitungsbestand der Südtiroler Landes- bibliothek Tessmann. 42 Siehe hierzu den Bericht in der Zeitung Der Tiroler (Bozen, 11.8.1920) 2 f., online einsehbar im digitalen Zeitungsbestand der Südtiroler Landesbibliothek Tessmann.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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