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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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440 Joachim Gatterer schen Gleichgewichts unter Einhaltung der Beschlüsse der Pariser Friedens- konferenz interessiert waren. Die Rückerlangung der vollen Staatssouveräni- tät Österreichs im Jahr 1955 eröffnete jedoch immerhin die Möglichkeit, die Südtirolfrage auf Grundlage des Gruber-De Gasperi-Abkommens nochmals auf zwischenstaatlicher Ebene zu behandeln. Die gemeinsame Integration in die westliche Wertegemeinschaft – nicht nur des NATO-Mitglieds Italien, sondern auch des neutralen Österreich – hatte hierfür eine weitere wichtige Voraussetzung geschaffen71. In diesem Kontext wurde die Südtirolfrage in den späten 1950er-Jah- ren von der konservativ-deutschnationalen Wehrmachtsgeneration der Süd- tiroler, nicht von sozialistischen Parteien, neu aufgerollt. Silvius Magnago hatte innerhalb der SVP die ältere, bürgerliche Honoratiorenriege abgelöst und 1957 auf einer öffentlichkeitswirksamen Protestkundgebung abermals die Realisierung der Autonomie für Südtirol unter völkisch-naturrechtlichen Gesichtspunkten gefordert („Los von Trient“)72. Unter dem Eindruck sozialer und ökonomischer Marginalisierung hatte sich mit dem Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) aus diesem Umfeld zeitgleich eine außerparlamentarische Gruppe gebildet, die mit Sprengstoffanschlägen die Maximalforderung der Rückgliederung Südtirols an Österreich erzwingen wollte73. Im Verlauf der 1960er-Jahre wurden die Attentate dieser ersten katholisch-deutschnational gesinnten Südtiroler um Sepp Kerschbaumer und Georg Klotz zunehmend von neonazistischen Kreisen aus der Bundesrepublik Deutschland und Ös- terreich fortgesetzt und für eigene Zwecke – die Destabilisierung der 1945 getroffenen Grenzregelungen in Europa – missbraucht74. 71 Vgl. Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts (München 1998) 318 f.; Günther Pallaver, South Tyrol. Ethnic Winner in the Cold War, in: Ethnicity, Nationalism and the European Cold War, hrsg. von Robert Knight (London-New York 2012) 145–169, hier: 155 f. 72 Vgl. Michael Gehler, Tirol im 20. Jahrhundert. Vom Kronland zur Europaregion (Inns- bruck–Wien 2008) 282–288. 73 Über den Südtirolterrorismus informieren ausführlich Christoph Franceschini, Die Welle der Sprengstoffanschläge in Südtirol, in: Handbuch zur neueren Geschichte Tirols. Band 2, Zeitgeschichte. 1. Teil, Politische Geschichte, hrsg. von Anton Pelinka, Andreas Maislinger (Innsbruck 1993) 468–507. Hans Karl Peterlini, Südtiroler Bombenjahre. Von Blut und Tränen zum Happyend? (Bozen 2005). 74 Claus Gatterer, Südtirol und der Rechtsextremismus, in: Claus Gatterer. Aufsätze und Reden, hrsg. von Michael-Gaismair-Gesellschaft (Bozen 1991) 285–309, hier: 298–303.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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