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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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450 Joachim Gatterer in Südtirol erstmals die Verpflichtung bestand, sich einer der drei gesetzlich anerkannten Sprachgruppen (deutsch, italienisch, ladinisch) zugehörig zu erklären, wofür Langer den Begriff der „ethnischen Käfige“ prägte, in wel- che die Südtiroler gesperrt würden. Mit dem Slogan „Option 81“ setzte er die gesellschaftsspaltenden Auswirkungen der ethnischen Volkszählung zusätz- lich überspitzt mit den Folgen der nationalsozialistisch-faschistischen Um- siedlung der Südtiroler des Jahres 1939 gleich103. Ungeachtet des öffentlichkeitswirksamen Protests gegen den ethni- schen Proporz gelang es der oppositionellen Neuen Linken wie auch der an sie anknüpfenden grün-alternativen Bewegung bis dato nicht, eine Abschaf- fung der Proporzregelung zu erreichen. Die stichhaltige Kritik machte jedoch erstmals auf evidente Defizite des in der deutschsprachigen Öffentlichkeit Südtirols bis dahin weitgehend positiv rezipierten Zweiten Autonomiesta- tuts aufmerksam. Dieses hatte zwar zur Befriedung des Konflikts zwischen den ethnonationalen Subgesellschaften der Provinz geführt, diese allerdings „nicht zu einer Gesellschaft integriert“, wie Anton Pelinka anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Streitbeilegung zwischen Österreich und Italien feststellte. „Sie [die Autonomie] hat nicht aus zwei Gesellschaften eine ein- zige gemacht“.104 Alexander Langers Vision eines interethnischen Südtirol markier- te in dieser Hinsicht – trotz ihres vordergründigen Scheiterns – den ersten Schritt hin zu einem nicht-ethnischen Regionalpatriotismus, der sich dem Geist einer Willensnation annäherte, dessen Anhängerschaft jedoch langfris- tig überschaubar blieb. Im Verlauf der 1980er- und 1990er-Jahre stimulierte das alternative Südtirolbewusstsein aber immerhin den punktuellen Abbau von sozialen Barrieren zwischen den Sprachgruppen (z.B. durch Schüleraus- tauschprogramme) und schließlich auch eine juridische Aufweichung und Flexibilisierung des ethnischen Proporzes105. 103 Die der Neuen Linken nahestehende Wochenzeitung Tandem berichtete am 28. Okto- ber 1981 über Protestkundgebungen gegen die „Option 81“ und die „ethnischen Käfige“ in Strassburg, Rom und Bozen. Tandem (Bozen), (28.10.1981) 2. 104 Anton Pelinka, Politik und Medien zwischen Modernität und Tradition, in: 1992: Ende eines Streits. Zehn Jahre Streitbeilegung im Südtirolkonflikt zwischen Italien und Öster- reich, hrsg. von Siglinde Clementi, Jens Woelk (Baden-Baden 2003) 205–209, hier: 209. 105 Vgl. Poggeschi, Der ethnische Proporz 322–331; Gatterer, „rote milben im gefie- der“ 170–174; Hermann Atz, Die Grünen Südtirols. Profil und Wählerbasis (Innsbruck– Wien–Bozen 2007) 43–46.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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