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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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459 Was wusste Bruno Kreisky? Zechtl wies darauf hin, dass der BAS auch bewusst gewalttätige Aktionen einplane, um Aufmerksamkeit zu wecken: Aus der Erkenntnis, dass die zwischenstaatlichen Verhandlungen zu kei- nem Ergebnis führen und die Südtiroler Politiker nicht in der Lage sind, sich durchzusetzen, beschloss der BAS eben durch Sabotageakte die Weltöffentlich- keit auf sich zu lenken. […] Die Zahl der Anschläge beläuft sich bisher auf ca. 12, bei denen keine Menschenleben zu beklagen waren. Ferner wurden ver- schiedene Flugzettelaktionen durchgeführt, in denen die Italiener aufgefordert wurden, Südtirol zu verlassen und die Unterwanderung einzustellen. Der für die Anschläge notwendige Sprengstoff wurde nicht gestohlen, sondern mit eigenen Mitteln auf verschiedenen Baustellen italienischer Firmen angekauft. Weiters besitzt der BAS einige Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Hand- granaten und Pistolen sowie Molotow-Cocktails. Bei diesen Waffen handelt es sich durchwegs um solche der ehemaligen deutschen Wehrmacht.13 Dafür, dass sich Kreisky Südtirol auf die Fahnen schrieb, gab es zunächst innenpolitisch motivierte Gründe, wie er später in seinen Memoiren fest- hielt. Der neuerwachende österreichische Patriotismus habe der Südtirolfrage ein beträchtliches Interesse entgegengebracht, weshalb er als Außenminister zu verhindern versuchte, dass man aus meiner sozialistischen Haltung und meiner kosmopolitischen Neigung, die manchmal mit meiner jüdischen Abstammung in Ver- bindung gebracht wurde, die Schlussfolgerung zog, ich würde mich mit dem Südti- rol-Problem nicht intensiv genug beschäftigten14. Mit dem Aufgreifen des Themas konnten Kreisky und die SPÖ einen eigentlich konservativ-nationalen cause célèbre besetzen und gewannen so abseits der traditionellen Anhängerschaft an Glaubwürdigkeit. Der Einsatz für Südtirol verband sich mit einem damals im Aufwind befindlichen Österreich-Bewusstsein und wirkte als Kristallisa- tionspunkt der Identitätsbildung der jungen Nachkriegsdemokratie15. Ein weiteres Motiv für Kreiskys Anteilnahme könnte mit dem An- denken an den von ihm sehr verehrten Großonkel Joseph Neuwirth in Ver- 13 Ebd. 14 Bruno Kreisky, Im Strom der Politik. Der Memoiren zweiter Teil (Wien 1988) 148 f. 15 Hans Heiss, Bruno Kreisky und Südtirol – Facetten einer komplexen Beziehung, in: Pfeifer–Steiner, Kreisky 9–23, hier 15.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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