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Thomas Riegler
zeichnet49. Oberhammer wusste vom Aufbau des BAS, stellte finanzielle Mit-
tel zur Verfügung und kannte die Attentatspläne. Seine Rolle wurde seitens
der Sicherheitsbehörden nicht unkritisch gesehen. In einem streng vertrau-
lichen Bericht der Polizeidirektion Wien von Anfang Jänner 1961 heißt es:
Es gibt in Österreich offizielle Stellen, die es gar nicht angenehm empfingen, dass
Oberhammer nun auch als Feldherr in Erscheinung treten will. Man befürchtet, dass
die österreichische Rechtsopposition empfindlich geschwächt würde, falls in Südtirol
zu „cypern“ begänne [eine Anspielung auf den antikolonialen Aufstand auf Zypern
Ende der 1950er Jahre]. Der Bericht verwies auf die prekäre Position Oberham-
mers innerhalb der Tiroler ÖVP als Motiv für dessen BAS-Engagement:
Oberhammers gesteigerte Aktivität für Südtirol bringen politische Beobachter
mit seinem Bestreben in Zusammenhang, seinen politischen Tod aufzuhal-
ten. Oberhammer besitzt in Tirol nur noch unter den aufgeputschten Südti-
rol-Heimholern Beachtung. In weiten Kreisen der Bevölkerung ist er entweder
gar nicht oder als „Narr“ verrufen. […] In Tirol hat es noch kein bürgerlicher
Politiker zuwegegebracht, sein mäßiges Prestige so schnell und so gründlich
zu verspielen, wie der durch ein unglaublich bockiges Temperament und eine
seltene politische Engstirnigkeit gezeichnete Aloys Oberhammer.50
Dieser versuche sich mit allen Mitteln zum „neuen Andreas Hofer“ zu machen,
wie seine eigenen Parteikollegen dies auszurücken pflegen. Über einen Innsbrucker
Rechtsanwalt, der Gründungsmitglied der Kameradschaft IV, dem Heimkeh-
rerverband der ehemaligen Waffen SS in Tirol, sei, unterhalte Oberhammer
Verbindungen nach Bundesdeutschland, von wo bedeutende Spenden zur Finanzie-
rung der Ausrüstung der Oberhammer’schen Befreiungsarmee eingehen51. Die laut
Herlinde Molling wohl „wichtigste politische Bezugsperson“ des BAS wurde
aber relativ rasch ein Opfer einer Kontroverse, in die sich Oberhammer selbst
verstrickt hatte. Anfang Juli 1961 gab er der „Associated Press“ ein Interview
mit scharfen Äußerungen gegenüber Italien. Obwohl nicht autorisiert, wurde
es in der „Neuen Züricher Zeitung“ veröffentlicht. Am Ende blieb Oberham-
49 Fontana, Mayr, Kerschbaumer 104.
50 A.V. Betr..: Artikel im „Spiegel“ No. 52 (Dez. 1960), 11.1.1961. Österreichisches Staats-
archiv/Archiv der Republik (künftig: ÖSTA/AdR), BMI, 24.451–2B/61.
51 Ebd.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918