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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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472 Thomas Riegler gesetzt hatte, nie erreichen. Es fehlte an Geld, und es fehlte vor allem an Material. Man brauchte Sprengstoff, Zündschnüre, Sprengkapseln und Zeitzünder56. In all diesen Bereichen schafften die Nachschublinien nach Österreich Abhilfe. So wurde ein Großteil des Sprengmaterials bei unbescholtenen Personen, die hauptbe- ruflich mit gewerblichen Sprengstoff handelten, legal besorgt57. Außerdem wurde aus Bauhütten an der Autobahn-Baustelle in Tirol gestohlen58. Was die kritische Frage des Transports über die Grenze anging, so wälzte Pfaundler anfänglich Pläne, den Sprengstoff mit Sportflugzeugen nach Südtirol zu bringen und dort abzuwerfen. Doch dies, so protokollierte die Staatspolizei mit, habe sich als schwer realisierbar erwiesen59. So lag es an Kurieren, den Sprengstoff im Auto unter der Motorhaube und im Kofferraum versteckt über die Grenze zu fahren. Hier taten sich vor allem Kurt Welser, das Ehepaar Molling und einige Frauen von österreichischen BAS-Mitgliedern hervor. Im Sommer 1959 trafen die ersten Lieferungen ein – bis zum Sommer 1961 wurden insgesamt drei bis vier Tonnen Sprengstoff (hauptsächlich Donarit I und II), Hunderte von Sprengkapseln und Zeitzündern sowie mehrere Dutzend Gewehre über den Brenner, den Reschen sowie über Osttirol nach Südtirol geschmuggelt60. Aber was wäre das beste Material in den Händen von ungeschulten Unter- grundkämpfern? Auch in diesem Punkt wurde von Österreich aus Abhilfe geschaffen. „Politische Schulungskurse“ fanden anfangs in den Räumen des Sitzes des Berg-Isel-Bundes in der Innsbrucker Herrengasse Nr. 3 statt. Die Vor- träge hielt Widmoser persönlich. Anfang März 1960 hatte Welser einige der Kursteilnehmer aus Südtirol bei sich zuhause in Natters zu Gast. Dabei kam er auf das Thema Sprengungen zu sprechen: Da ich während des Krieges in den Jahren 1943 auf 1944 gemeinsam mit mei- nem Bruder und einem Nachbarn in der Umgebung des Elternhauses einen Luftschutzbunker baute und wir dabei eine Höhle in den dort befindlichen Felsen sprengen mussten und insgesamt ca. 200 Sprengungen durchgeführt wurden, ich durch meine damalige Jugend an dieser Arbeit Gefallen fand und 56 Fontana, Mayr, Kerschbaumer 103. 57 Franceschini, „Molden hat sehr viel Geld hineingesteckt“, in: profil 47 (1991) 72–76, hier 74. 58 Peterlini, Bombenjahre 82. 59 Mappe BAS Informationen – Vertraulich, 1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3. 60 Franceschini, Sprengstoffanschläge 473.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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