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Thomas Riegler
des 2. Weltkriegs versah Riedl den Dienst laut eigener Angabe bei der Abwehr65
– mit dem letzten Dienstgrad Oberleutnant66. Vor Gericht 1965 bekundete Riedl,
warum man mit Bomben des „Weltgewissens“ auf Südtirol aufmerksam ma-
chen wollte: Es sollte die Forderung der Südtiroler nach Autonomie akustisch unter-
mauern. Ein Volk muss bis zum äußersten entschlossen sein, wenn es etwas erreichen
will. Auf Zypern oder in Algerien ist es genauso gewesen. Den Bezugsschein für
den Sprengstoff hatte Riedl von einem ihm persönlich bekannten Haupt-
mann einer Bundesheer-Pioniereinheit in Schwaz bekommen. Für mich war es
eine Pflicht, den Südtirolern zu helfen, so Riedl67.
Mehrmals fanden Sprengkurse auch im Ausland und zwar in der be-
nachbarten BRD statt. Laut den staatspolizeilichen Ermittlungsakten hielten
sich am 27. und 28. Dezember 1959 12 BAS-Leute in Mittenwald auf. Als Aus-
bildner fungierte ein gewisser „Hauptmann Hugo“ der Bundeswehr, den die
Staatspolizei nicht identifizieren konnte:
Die Ausbildung fand nicht in der Jägerkaserne Mittenwald, sondern in einem
in der Nähe gelegenen Forsthaus statt. Die Ausbildner sind zu diesem Zweck
in Zivil in das Forsthaus gekommen. Durch diese letzte Ausbildung hat sich
die Zahl der im Umgang mit Sprengstoff kundigen Personen auf 46 erhöht.68
Weiters organisierte der bayrische Opel-Generalvertreter Josef Kuttendrein,
der den BAS auch finanziell förderte, für vier Aktivsten einen Sprengkurs
in Kreuth am Tegernsee69. Wie weit die Verwicklung in die Aufrüstung und
Ausbildung der BAS-Leute in Österreich schließlich reichte, darüber gibt ein
Bericht der Wiener Polizeidirektion vom 11. Jänner 1961 Auskunft:
Vor geraumer Zeit sind Funktionäre des Berg-Isel-Bundes an den Bundesmi-
nister Graf [Verteidigungsminister Ferdinand Graf, ÖVP] mit dem Ersuchen
65 Im Jahr 1938 wurde der deutsche militärische Geheimdienst zur Amtsgruppe Auslands-
nachrichten und Abwehr des neu geschaffenen Oberkommandos der Wehrmacht ernannt. Kurz
nach Kriegsbeginn 1939 erfolgte die Erhebung der Amtsgruppe zum Amt Ausland/Abwehr.
66 Information, 13.5.1960. ÖSTA, AdR, BMI, 24.451 – 2B/61, Bl. 10–14.
67 Terroristenprozess: Burger beruft sich auf Tell, Andreas Hofer, Stauffenberg, in: Arbeiter-
Zeitung, 12.5.1965.
68 Mappe BAS Informationen – Vertraulich. 1961. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3.
69 Peterlini, Südtiroler Bombenjahre 154.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918