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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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477 Was wusste Bruno Kreisky? nen“ auch auf die in Südtirol befindlichen NATO-Basen ausdehnten. Sie hät- ten diese Forderung abgelehnt und seither die Feindschaft der Kommunisten gegen sich, die im „Südtiroler Freiheitskampf“ als dem einzigen „nicht ihre schmutzigen Finger hätten“.77 Laut Eva Klotz hat es von sogar von den Russen Hilfsangebote für ihren Vater ge- geben. 1967/68 sei ein gewisser „Robert“ vom tschechoslowakischen Geheim- dienst gekommen, der meinen Vater überzeugen wollte, man müsse zuerst eine Bank ausrauben, in Südtirol, um zu Geld zu kommen, dann müsse man einige italienische Kasernen stürmen78. Aber in der Sitzung des Ministerrats vom 6. September 1966 winkte Innenminister Franz Hetzenauer (ÖVP) ab, als er gefragt wurde, ob es Anhaltspunkte gebe, dass Agenten aus Ostdeutschland hinter diesen Gruppen ste- hen? Seine Antwort lautete: Das Innenministerium hat keine Anhaltspunkte79. Erst für die 1980er Jahre sind die Machenschaften zweier Informeller Mitarbeiter (IM) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in Südtirol belegt80. Im Vergleich zur dürren Aktenlage in Sachen eines möglichen Mit- mischens von Ostgeheimdiensten, gibt es im Falle der US-amerikanischen Central Intelligence Agency (CIA) einiges mehr an harten Fakten. Der Ge- heimdienst war an den Vorgängen in Südtirol zweifellos interessiert – betraf der Konflikt doch eine Region zwischen den NATO-Schlüsselstaaten Italien und BRD in unmittelbarer Umgebung der Außengrenze zum kommunisti- schen Block. Darüber hinaus befand sich in der Nähe von Brixen, auf der Hochfläche von Natz-Schabs ab 1966 unter dem Code-Namen „Site Rigel“ ein NATO-Sondermunitionsdepot, in dem auch Atomwaffen gelagert wurden81. So überrascht es nicht, dass sich zu Weihnachten 1959 der ehemalige Agent des „Office for Strategic Services“ (OSS), Fred Mayer, in Innsbruck aufhielt. 77 Herbert Lucht an Bruno Kreisky, 12.9.1963. StBKA, Südtirol VII. 9, Box 3. 78 Michaela Koller, Auftrag: „Konflikte verschärfen“, Deutschlandfunk, 4.8.2007, http://www.deutschlandfunk.de/auftrag-konflikte-verschaerfen.724.de.html?dram:article_ id=98848 79 Verhandlungsschrift Nr. 13 b über die Sitzung des Ministerrates am 6. 9. 1966. ÖSTA/ AdR, BKA, Ministerratsprotokolle 2. Republik, Klaus II. 80 Vgl. Thomas Riegler, „Wir setzen uns rein und mischen da richtig mit”: Die DDR-Staats- sicherheit und der Südtirolkonflikt, in: zeitgeschichte 3 (2013) 166–180. 81 Teseo La Marca, „Von den Atomwaffen hat niemand etwas gewusst“, in: salto.bz, 6.8.2016, https://www.salto.bz/de/article/05082016/keiner-hat-von-den-atomwaffen-gewusst, letzter Zugriff: 14.12.2016.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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