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Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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483 Was wusste Bruno Kreisky? amts, Martin Fuchs, über „radikale Südtirolpläne“ schwadroniert: Es sollten Zusammenstöße mit der Polizei provoziert werden, die dann das Signal zu Sprengstoffanschlägen bilden sollten, „wahrscheinlich gegen Kraftwerke, die schon ausgesucht seien“. Die Aktion sollte im Herbst 1960 zeitlich mit Kreis- kys Auftritt vor Generalversammlung der UNO zusammenfallen. Fuchs ant- wortete, dass er das alles nicht gehört habe, gebe aber zu, dass auf Verhandlungsweg und vor internationalen Behörden wahrscheinlich nicht einmal Autonomie zu errei- chen wäre. Trotzdem müsse man aus taktischen und optischen Gründen die Verhandlungen bis zum Herbst auslaufen lassen. Die Frage sei die, wie viele Menschenleben müsse man opfern, um etwas zu erreichen, was auf anderen Weg unter keinen Umständen zu erreichen wäre?100 Kleinere Sprengstoffanschläge, so wie es sie in Südtirol seit den 1940er Jahren immer wieder sporadisch gegeben hatte, erschienen als zu wenig spektaku- lär. Klotz und Pfaundler schwebte die Bildung von kleinen Kampfeinheiten vor, die einen regelrechten Guerillakrieg führen sollten101. Der Südtiroler BAS konnte bis auf wenige Ausnahmen mit diesen Planspielen wenig anfangen: Der überzeugte Katholik Kerschbaumer lehnte die Steigerung auf ein Ge- waltniveau, das Menschenleben gefährden konnte, ab. Außerdem wollte er keine Überreaktion provozieren und plädierte für eine Taktik der „Nadel- stiche“, die er auch erfolgreich durchsetzen konnte102. Nun rückte die Frage, wann genau der BAS auf diese Weise losschlagen sollte, in den Mittelpunkt der Diskussionen. Am 25. Juli 1960 fand eine Sitzung des BAS-Führungsgre- miums statt. Was gesagt wurde, lässt sich anhand der staatspolizeilichen Be- richte gut nachvollziehen: Die Südtiroler wurden aufgefordert, sich auf ein Losschlagen im Septem- ber vorzubereiten. Pfaundler führte dazu aus, dass sicherlich anlässlich der UNO-Debatte viele internationale Journalisten nach Südtirol kommen wer- 100 Mosser, Schuöcker, Jelinek, Feuernacht 41. 101 Peterlini, Bombenjahre 90 f. 102 Fontana, Mayr, Kerschbaumer 117.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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