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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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492 Thomas Riegler Schwurgerichten statt, wo die Geschworenen Freisprüche fällten. „Juridisch eine Farce, patriotisch ein Fest“, so das Fazit von Peterlini136. Mehrmalige Aufforderungen Italiens nach Auslieferung von be- stimmten BAS-Attentätern wie den „Pusterern“ wurden von der österreichi- schen Justiz abgeschmettert137. Ursprünglich hatte das Innenministerium am 8. September 1961 die Sicherheitsdirektionen und Bundespolizeibehörden angewiesen, dass eine formlose Rückschiebung von Südtirolern, die in Öster- reich um Asyl ansuchten, zu unterbleiben hatte. Diese hatten eine Nieder- schrift zu unterfertigen, wonach sie sich während des Aufenthalts in Öster- reich jeder gegen Italien gerichteten politischen Tätigkeit, insbesondere Maßnahmen und Planungen zur Förderung illegaler Aktionen in Südtirol zu enthalten hätten138. Allerdings fruchteten die Versuche, die Exilanten mit diesen Auflagen ru- higzustellen, wenig. Vor allem Klotz und Amplatz organisierten weiter Wi- derstandsaktionen und überquerten dazu die Staatsgrenze. Ende Mai 1964 wurde schließlich über beide ein Aufenthaltsverbot für das gesamte Bundes- gebiet verhängt. Klotz und Amplatz durften Wien nicht verlassen. Doch am 22. August 1964 verschwanden die beiden in einem Leihwagen nach Westen. Beim Versuch, erneut in Italien „einzusickern“, gerieten sie in eine Falle. Wie bereits erwähnt, wurde Amplatz ermordet, der schwer verletzte Klotz schaffte es, über die Grenze zu fliehen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus Wörgl wurde er in Schubhaft genommen – vor der Überstellung nach Wien kam es zu ernsten Kompetenzstreitigkeiten. Sicherheitsorgane vor Ort lehn- ten die Herausgabe von Klotz ab, da sie vom Bezirkshauptmann und dem Sicher- heitsdirektor strikten Auftrag haben, jede Entfernung […] unter allen Umständen zu verhindern. Es muss damit gerechnet werden, dass die diensthabenden Exekutivor- gane von ihrer Waffe Gebrauch machen139. Erst nach Rücksprache mit höheren Dienststellen wurde Klotz ausgeliefert. Zurück in Wien wurde der Südtiro- ler strengen Auflagen unterworfen und hatte alle Handlungen unterlassen, die geeignet sind, die öffentlichen Interessen der Republik Österreich zu schädigen. Zurückgezogen wohnte Klotz in einer ärmlichen Kammer in einem Altbau 136 Mosser, Schuöcker, Jelinek, Feuernacht 146 137 Speckner, „Feuernacht“ 331. 138 Als Faksimile abgedruckt in Speckner, „Feuernacht“ 116. 139 Dienstzettel, 1.10.1964. ÖSTA/AdR, BMI II/C 106.380/76, Georg Klotz, Akte 1961-1964 Bd. I.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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