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Was wusste Bruno Kreisky?
schen 1986 und 1988 vermuteten. Ein Schussattentat wurde geplant, aber nie
ausgeführt152.
Ein Faktor, der lange eine effektive Bekämpfung des BAS-Terrorismus
verhinderte, war die Durchlässigkeit der Grenze vom „Hinterland“ in den
„Aktionsraum“. Erst im Herbst 1961 wurde eine verstärkte Überwachung der
ital.-österreichischen Grenze mit 167 Gendarmeriebeamten und zehn Fahrzeu-
gen angeordnet, die jedoch innerhalb weniger Wochen stillschweigend ein-
gestellt wurde153. 1963 wurde die „Konzentrierte Abteilung“ mit 40 Beamten
und zehn Fahrzeugen kurzfristig neuaufgestellt154. Dasselbe geschah 1966,
diesmal mit mehr Aufwand, sodass Innenminister Franz Hetzenauer (ÖVP)
Anfang September 1966 im Ministerrat bilanzieren konnte:
Terroraktionen in Südtirol und im weiteren italienischen Staatsgebiet haben
das Innenministerium veranlasst, Überwachungen zu veranlassen, dass auf
österreichischer Seite keine Vorbereitungshandlungen mehr getroffen werden.
Das ist erfolgt, Bahnüberwachung, Grenzüberwachung. […] Wir haben es
also nicht versäumt, uns um die Verfolgung zu kümmern. Der Ministerrat
darf überzeugt sein, dass wir alles daransetzen werden.155
Doch am 25. Juni 1967 ereignete sich auf der Porzescharte nahe der Osttiroler
Grenze ein besonders schwerer Anschlag mit vier Toten. Obwohl die Hin-
tergründe bis heute umstritten sind, war für Italien die Täterschaft des BAS
erwiesen. Man legte ein Veto gegen weitere Verhandlungen der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit der österreichischen Bundesregierung
ein, bis sie imstande wird, festzustellen, dass das österreichische Hoheitsgebiet nicht
für die Organisation von Terrorakten auf italienischem Hoheitsgebiet und als Zu-
fluchtsstätte für die Terroristen gebraucht werde. Das war ein harter Schlag, denn
ein EWG-Assoziierungsabkommen wurde von der seit 1966 im Amt befindli-
chen ÖVP-Alleinregierung von Bundeskanzler Josef Klaus als lebensnotwendig
für die österreichische Wirtschaft erachtet156. Infolgedessen wurde am 11. Juli
152 Spion aus Leidenschaft, in: Der Spiegel, 7 (1994), 36–40, hier 40.
153 Speckner, „Feuernacht“ 115 f.
154 Ebd. 179.
155 Verhandlungsschrift Nr. 13 b über die Sitzung des Ministerrates am 6.9.1966. ÖSTA/
AdR, BKA, Ministerratsprotokolle 2. Republik, Klaus II.
156 Speckner, „Feuernacht“ 395.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918