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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
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496 Thomas Riegler 1967 beschlossen, drei Bundesheerbataillone zur Unterstützung von Gendar- merie und Zollwache zu entsenden. Natürlich war es unmöglich, die Grenze hermetisch abzuriegeln, aber illegale Übertritte wurden so erschwert157. Noch wirksamer war die Maßnahme auf der symbolischen Ebene – die Soldaten hat- ten Schießbefehl, was die „Pusterer“ beispielsweise als Wendepunkt aufge- fassten: Es hatte einfach keinen Sinn mehr, wir hätten gegen die eigenen Leute kämpfen müssen.158 Unter dem Druck des EWG-Vetos liefen die Interessen der österrei- chischen Regierung und der verbliebenen BAS-Attentäter endgültig konträr. Dabei hätte Kreisky schon 1964/1965 beinahe eine Lösung zustande gebracht: Ein Regierungswechsel in Italien zu einer Mitte-Links-Regierung hatte ab Dezember 1963 Handlungsspielraum eröffnet. Bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Giuseppe Saragat am 25. Mai 1964 in Genf wurde ver- einbart, die nach Abschluss der Neunzehnerkommission noch offenen Punk- te einer österreichisch-italienischen Expertengruppe vorzulegen159. Diese Kooperation mündete schließlich in einen ersten Autonomie-Entwurf, der jedoch in einer in Innsbruck zusammengetretenen großen Runde von Nord- und Südtiroler Politikern am 8. Jänner 1965 abgelehnt wurde. Mehrere Grün- de waren maßgebend: Die Nordtiroler vermissten eine Absicherung, die Süd- tiroler waren inhaltlich unzufrieden160. Darüber hinaus war das Bestreben der ÖVP ersichtlich, die Initiative von der Bundesregierung auf Länder-Ebe- ne zurückzuholen. Und schließlich gönnte man Kreisky den Triumph aus parteipolitischen Motiven ganz einfach nicht161. Dieser fühlte sich hintergan- gen. „Die Südtirolfrage, mit der er sieben Jahre lang fast täglich zu tun gehabt hatte, interessierte ihn nicht mehr, die Südtiroler hielt er schlicht und einfach 157 Erwin A. Schmidl, Duschen aus der Dose, in: Die Presse, 26.10.2007. Der ranghöchste Militär, Generaltruppeninspektor Erwin Fussenegger, sah den Einsatz kritisch und vertrau- te seinem Tagebuch an: Das Ganze ist mehr ein Wunschbild, um den Italienern zu zeigen, dass wir die Tätigkeit der Terroristen unterbinden wollen, als eine wirkliche Maßnahme. Die einzig wirksame Maßnahme wäre, diese 30 Terroristen einzusperren. Warum das nicht gemacht wird, weiß ich nicht. Ich habe den Eindruck, dass es in Österreich Leute gibt, denen die Terroristentätigkeit angenehm ist. Speckner, „Feuernacht“ 485. 158 Peterlini, Feuernacht 402. 159 Ebd. 352. 160 Rolf Steininger, Österreichs Südtirolpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Pfeifer, Steiner, Kreisky 25–54, hier 45. 161 Heiss, Kreisky 21.
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
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