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Luciano Monzali
wieder ins politische Rampenlicht. Von 1973 an positionierte sich der römi-
sche Politiker neu, indem er von der traditionell starren kommunistenfeind-
lichen Haltung des rechten Flügels der DC Abstand nahm und sich dafür
aussprach, Formen der Zusammenarbeit mit dem Partito Comunista Italiano
(PCI) zu finden. Er wurde zum Mitstreiter Moros bei der politischen Öffnung
zu den Kommunisten.
Gleich nach den Parlamentswahlen im Juni 1976, bei denen der PCI
Stimmen dazugewann, während die DC ihr Niveau halten konnte, zog es
Aldo Moro, der die gesamte christdemokratische Partei in seine politischen
Pläne miteinbeziehen wollte, vor, die Regierung einem Vertreter des rech-
ten Parteiflügels wie Andreotti anzuvertrauen. Diese Regierung entstand im
Zeichen der nationalen Solidarität, das heißt als Mitte-Links-Koalition, die
auch auf die Stimmen der PCI zählen konnte19. In der Zeit zwischen Juli 1976
und August 1979, als Andreotti an der Spitze dieser auf nationaler Solidari-
tät basierenden Regierungen stand, zeigten weder er noch die italienische
Außenpolitik Interesse an den problematischen Beziehungen zu Österreich20.
In den 1970er-Jahren intensivierten sich die politischen Beziehungen
zwischen Italien und Österreich jedoch nicht in der Weise, wie von manchen
gewünscht21. Eine Rolle spielte einerseits die lang anhaltende innenpolitische
italienische Krise, aufgrund derer Italiens Mitwirkung auf der internationa-
len Szene an Intensität und Brandbreite verlor. Andererseits wurde die öster-
reichische Außenpolitik durch die Persönlichkeit von Bundeskanzler Kreisky
stark geprägt, der nach der 1974 erfolgten Wahl von Außenminister Kirch-
19 Giulio Andreotti, Diari 1976–1979. Gli anni della solidarietà (Milano 1981) 19. Siehe
dazu auch Ders., Volti del mio tempo. Personaggi della storia, della politica, della Chiesa
(Cinisello Balsamo 2000) 66–71. Zur Entstehung von Andreottis Regierung im Jahr 1976 sie-
he Craveri, La Repubblica dal 1958 al 1992 638 ff.; Francesco Barbagallo, Enrico Berlinguer
(Roma 2006) 269 ff.; Formigoni, Storia d’Italia nella Guerra Fredda 483 ff.; Massimo Pini, Cra-
xi. Una vita, un’era politica (Milano 2006) 110 ff. Arnaldo Forlani war Außenminister bei den
sogenannten „Regierungen der nationalen Solidarität“. Zu seiner Tätigkeit siehe Arnaldo
Forlani, Potere discreto. Cinquant’anni con la Democrazia cristiana (Venezia 2009).
20 In jenen Jahren war Umberto La Rocca der engste Mitarbeiter Andreottis in der Au-
ßenpolitik. Andreotti ernannte ihn zum diplomatischen Berater im Ministerrat.
21 Zu den italienisch-österreichischen Beziehung in den 1970er-Jahren siehe: Gehler,
Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 1; Luigi Vittorio Ferraris, Manua-
le della politica estera italiana 1947–1993 (Roma 1996); Günther Pallaver, L’erba del vici-
no. Italien-Österreich. Nachbarn in Europa, in: Österreich und die europäische Integration
1945–1993, hrsg. von Michael Gehler, Rolf Steininger (Wien 1993) 226–266; Monzali, Giulio
Andreotti e le relazioni italo-austriache 25 ff.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918