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Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 513 -
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513 Giulio Andreotti, die Südtirolfrage und Österreich (1972–1992) Phase der nationalen Solidarität einige Jahre lang keinen Ministerposten be- kleidet hatte, übernahm unter der Regierung Craxi das Amt des Außenminis- ters, das er auch noch unter den nachfolgenden Kabinetten Fanfani, Goria und De Mita bis Juli 1989 innehatte. In diesen Jahren drückte Andreotti der italieni- schen Außenpolitik seinen Stempel auf31, obwohl er gemeinsam mit Minister- präsident Craxi die Erarbeitung politischer und strategischer Entscheidungen absprechen und internationale Krisen bewältigen musste. Als Außenminister wurde Andreotti von Diplomaten, die vor allem seine Ernsthaftigkeit und sein Engagement sowie seinen analytischen Geist lobten, sehr geschätzt. Die Beziehung zwischen Wien und Rom verstärkten sich weiterhin mit häufigen Besuchen und Treffen zwischen den Vertretern beider Regie- rungen. Der österreichische Botschafter in Rom, Friedrich Frölichsthal, der als profunder Kenner Italiens galt, setzte sich intensiv für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Staaten ein. Ein wichtiges Zeichen setzten in diesem Zusammenhang Craxi und Andreotti im Februar 1984 bei ihrem Besuch in Wien. Seit mehr als einem Jahrhundert hatte kein italienischer Mi- nisterpräsident mehr die österreichische Hauptstadt besucht. Diese Initiative stellte eine starke Geste im Rahmen der bilateralen Beziehungen dar. Eine Reise, um „das Eis zu brechen“: So definierten manche Presseorgane den Be- such Craxis und Andreottis in Wien32. 31 Andreotti umgab sich als Außenminister mit Beratern und Mitarbeitern, die eine ge- wichtige Rolle in der italienischen Außenpolitik spielten. Umberto La Rocca war als diplo- matischer Berater des Ministers bis 1985 tätig. Nach La Roccas Pensionierung stieg Luigi Guidobono Cavalchini zum Experten im außenpolitischen Bereich an der Seite Andreottis auf. Cavalchini war Chef des Kabinetts Andreottis für das Außenministerium. Francesco Malfatti di Montretto hingegen blieb einige Jahre lang bis zu seiner Pensionierung als Gene- ralsekretär im Außenministerium. Dieser zeichnete sich als eine unkonventionelle Persön- lichkeit in der italienischen Diplomatie aus. Er war ein Adeliger aus Trient und ein sozialis- tischer antifaschistischer Kämpfer, der seine Karriere als Politiker nach dem Zweiten Welt- krieg begann. Er war diplomatischer Berater Saragats im Quirinal, dann Botschafter in Paris und Generalsekretär im Außenministerium Ende der 1970er-Jahre. Als Malfattis Nachfolger wählte Andreotti Renato Ruggiero zum Generalsekretär. Er war lange in Brüssel tätig und verfügte durch seine fundierten europapolitischen Kenntnisse und aufgrund seines breiten internationalen Netzwerkes über großes Prestige. Generalsekretär Ruggiero, der mit Craxi verbunden war, geriet bald in Konflikt mit Andreotti. Nach den Wahlen im Jahr 1987 ver- ließ Ruggiero die Diplomatie und wurde zum Außenhandelsminister im Kabinett Goria. An seiner Stelle ernannte Andreotti Bruno Bottai zum Generalsekretär. Dieser war bereits Leiter der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten sowie ein Vertrauter von Außenminister Co- lombo, der dieses Amt bis 1993 innehatte, gewesen. 32 Giorgio Battistini, Craxi ha offerto soldati italiani alle truppe Onu per il Libano, in: La Repubblica (17. Februar 1984). Für eine Beschreibung des Besuchs von Craxi und Andreotti
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Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
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