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Luciano Monzali
frage und kommentierten das Anwachsen des Movimento Sociale Italiano
(MSI), der rechtextremen nationalistischen Partei, bei den Regionalwahlen
in Südtirol. Mock war der Ansicht, man müsse Magnagos hohes Ansehen
nutzen und den Südtirol-Konflikt so bald als möglich lösen. Andreotti gab der
Überzeugung Ausdruck, dass auch die Begeisterungswelle für den MSI abebben
werde, sobald die letzten Probleme hinsichtlich des Pakets gelöst seien.
Hinsichtlich der EWG drückte Mock seine Dankbarkeit im Namen Öster-
reichs für die Unterstützung Italiens aus und schilderte dabei die internen
Schwierigkeiten, die in Österreich im Zusammenhang mit einem EWG-Bei-
tritt bestanden46. Ein weiteres Hindernis stellte der Transitverkehr über den
Brenner dar, der für die Betroffenen auch eine emotionale Angelegenheit war.
Laut Mock lag die Lösung darin, dem Schienenverkehr den Vorzug zu geben
und rasch einen Tunnel unter dem Brennerpass zu bauen. Nur so könne man
vermeiden, dass sich in Österreich die gleiche Situation wie in der Schweiz
hinsichtlich des innengemeinschaftlichen Verkehrs entwickeln würde. An-
dreotti war der Überzeugung, die EWG würde die Landwirtschaft weiter-
hin unterstützen. Auch in Italien hegten die Wirtschaftsträger ursprünglich
Zweifel an den Vorteilen eines EWG-Beitritts. Erst später wurden sie dann
zu starken Befürwortern47. Bei der Eröffnung der Verhandlungen über eine
Reduzierung der konventionellen Waffen in Wien führte Andreotti Gesprä-
che mit Vranitzky, Mock sowie dem österreichischen Bundespräsidenten und
bekräftigte bei dieser Gelegenheit, dass von Seiten Italiens dem EWG-Beitritt
Österreichs nichts im Wege stehe und die Neutralität des Landes kein Hin-
dernis sei: Für Italien sei Österreichs Zugehörigkeit zur Europäischen Ge-
meinschaft eine „logische Tatsache“48.
Am 17. Juli 1989 stellte die österreichische Regierung formell das Ansu-
chen für die Aufnahme in die EWG, die Europäische Gemeinschaft für Kohle
und Stahl (EGKS) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM)49.
46 ILS, AA, Austria, b. 790, Außenministerium an die italienische Botschaft in Wien,
9. Jänner 1989.
47 Ebd.
48 Paolo Lepri, Andreotti: „Sì“ all’Austria, in: Il Giornale d’Italia (8. März 1989).
49 Die drei Briefe, die Mock an Dumas, den französischen Außenminister und Präsiden-
ten des EWG-Rates, sandte, sind vom 14. Juli datiert. Der Wortlaut des Beitrittsansuchens
findet sich in: Gehler, Österreichs Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 2 587 f. Zu den
von Österreich ergriffenen Maßnahmen, um der EG beizutreten siehe auch Ders., Vom Mar-
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918