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Luciano Monzali
te jedoch weiterhin eine zentrale Rolle in der Außenpolitik Italiens51. Sein
Einfluss wurde durch Bottai als Generalsekretär des Außenministeriums
aufrechterhalten, obwohl De Michelis sehr bald seine Absicht offenbarte, po-
litisches Ansehen zu gewinnen und eine entscheidende Rolle in der italieni-
schen Außenpolitik zu spielen, was oft mit der Rolle des Ministerpräsidenten
konkurrierte52.
Das entscheidende internationale Problem, mit dem sich die Regie-
rung Andreotti gleich in den ersten Monaten ihrer Existenz konfrontiert sah,
war das Wiederaufflammen der Deutschland-Frage. Nachdem die Berliner
Mauer gefallen war und die Bürger der DDR sich frei bewegen und ausreisen
konnten, verschärfte sich die Krise der im Einflussbereich der Sowjetunion
stehenden kommunistischen Regime Europas. Ohne die europäischen Part-
ner vorher darüber zu informieren, präsentierte der deutsche Kanzler Helmut
Kohl im November ein Zehn-Punkte-Programm, das die rasche Wiederver-
einigung der BRD und der DDR vorsah. Wie auch die meisten europäischen
Partner (Großbritannien, Frankreich und Holland) war Andreotti gegen eine
zu schnelle deutsche Wiedervereinigung, da er fürchtete, dass auf diese Wei-
se das politische Gleichgewicht Europas destabilisiert, der Entspannungs-
prozess zwischen den zwei Machtblöcken infrage gestellt und die Reform-
bestrebungen Gorbatschows beeinträchtigt werden könnten. Ein Grund zur
Sorge war für Andreotti auch das sich in Deutschland durchgesetzte Selbst-
bestimmungsprinzip, da dies Auswirkungen auf Gebiete wie den Balkan ha-
51 Zu der italienischen Außenpolitik in den Jahren 1989–1992 siehe Varsori, L’Italia e la
fine della guerra fredda; Stefano Lusa, Italia–Slovenia 1990/1994 (Pirano 2001); Italia e Slo-
venia fra passato, presente e futuro, hrsg. von Massimo Bucarelli, Luciano Monzali (Roma
2009); Luciano Monzali, Gli italiani di Dalmazia e le relazioni italo-jugoslave nel Novecento
(Venezia 2015); Sergio Romano, Guida alla politica estera italiana da Badoglio a Berlusco-
ni (Milano 2002); Ferraris, Manuale della politica estera italiana 1947–1993; Luca Riccardi,
L’ultima politica estera. L’Italia e il Medio Oriente alla fine della Prima Repubblica (Soveria
Mannelli 2014); Ders., Bruno Bottai e la politica estera repubblicana negli anni Settanta e Ot-
tanta, in Atti del Convegno „Ricordo dell’ambasciatore Bruno Bottai“, Roma, Palazzo Firenze,
26 novembre 2105 (Roma 2016) 7–44.
52 Zu De Michelis und seiner Rolle bei der italienischen Außenpolitik jener Jahre siehe
Gianni De Michelis, La lunga ombra di Yalta. La specificità della politica italiana (Vene-
zia 2003); Ders., Così cercammo di impedire la guerra, in: Limes 1 (1994) 229 ff.; Gianni De
Michelis, Francesco Kostner, La lezione della storia. Sul futuro dell’Italia e le prospettive
dell’Europa (Venezia 2013) 34 ff.; Riccardi, L’ultima politica estera. Zu den engsten Mitarbei-
tern De Michelis im Außenministerium zählen sein Kabinettchef Silvio Fagiolo und der zu-
künftige Botschafter in Wien, Alessandro Grafini.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918