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Giulio Andreotti, die Südtirolfrage und Österreich (1972–1992)
Regierungswochen dazu, die Beilegung der Südtirol-Frage zu beschleunigen.
Aufgrund einiger Feststellungen des Rechnungshofes über das Dekret vom
16. März betreffend die Durchführungsbestimmungen des Sonderstatutes
der Region Trentino-Südtirol über die Verhältnisse zwischen Rechts- und
Staatsakten und den vorangegangenen Regional- und Landesgesetzen sowie
über die staatliche Ausrichtungs- und Koordinierungsbefugnis, entschied
Andreotti durch den Ministerrat der Forderung des Rechnungshofes nachzu-
kommen, Teile der Akte, die zur Einsicht nicht zugelassen wurden, mit Vorbe-
halt aufzeichnen und im nationalen Amtsblatt75 veröffentlichen zu lassen.
Am 22. April wurden die Texte der letzten Maßnahmen zur Umset-
zung des Pakets in der italienischen „Gazzetta Ufficiale“ veröffentlicht, und
noch am selben Tag übergab Bottai, der Generalsekretär der Farnesina, dem
österreichischen Botschafter in Rom, Emil Staffelmayr, eine diplomatische
Note des italienischen Außenministeriums, in der Wien von der Ratifizie-
rung des Pakets unterrichtet wurde76. Die Note enthielt den von Riz und der
österreichischen Regierung abgesprochenen Text, wobei direkt auf die Koppe-
lung des Pakets an das Gruber-De-Gasperi-Abkommen eingegangen wurde.
Wie im Punkt 13 des Abkommens von 1969 vorgesehen, begann mit der
Übergabe besagter Note von italienischer Seite offiziell eine Frist von 50 Tagen
zu laufen, innerhalb derer Österreich die Streitbeilegungserklärung abzuge-
ben hatte. Noch am Abend des 22. April zitierte der österreichische Außen-
minister Mock Botschafter Quaroni zu sich und händigte ihm als Antwort
auf die italienische Note seinerseits eine Verbalnote aus77. Diese bestand aus
Dankesworten und aus der Kenntnisnahme der italienischen Mitteilung, die
ungekürzt Eingang in das Wiener Dokument fand, sowie aus der Erklärung,
dass sich die österreichische Regierung eine weitere Stellungnahme ausbe-
dinge, sobald geprüft worden sei, inwieweit die Liste der Maßnahmen in der
75 ILS, AA, Trentino-Alto Adige, b. 21, Presidenza del Consiglio dei Ministri, Segretariato
Generale, Berichtsentwurf für den Ministerrat, 17. April 1992.
76 Eine Abschrift der italienischen Verbalnote befindet sich in: ILS, AA, Trentino-Alto
Adige, b. 21. Eine deutsche Version der italienischen Verbalnote findet sich in: Gehler, Öster-
reichs Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 2 743.
77 Der Wortlaut der österreichischen Verbalnote vom 22. April findet sich in: ILS, AA,
Trentino-Alto Adige, b. 21; für den deutschen Text der Verbalnote siehe: Gehler, Österreichs
Außenpolitik der Zweiten Republik, Bd. 2 743–744.
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918