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Hans Heiss
Was läge näher als die Kooperation zwischen drei Ländern, die zudem in
wirtschaftlicher Hinsicht in vergleichbarer Gewichtung von Landwirtschaft,
Industrie und Dienstleistungen, vorab des Tourismus, einen Spitzenrang in-
nerhalb der EU-Regionen behaupten?
Trotz solcher Gunstfaktoren mündeten die Entstehung, der Ausbau
und die Verflechtung der Euregio jedoch keineswegs in jene win-win-Situ-
ation, die sich eigentlich erwarten ließe. Ihr Beispiel verdeutlicht zwar die
Spielräume einer Grenzen überschreitenden Zusammenarbeit und beweist
sich damit als ein Testfeld europäischer Kooperation. Der Blick auf die Eu-
regio belegt, welche Potenziale aus Zusammenarbeit erwachsen und welche
Gemeinsamkeit der Interessen grundsätzlich vorhanden wäre. Der Erfolg
stellt sich zwar ein, wiewohl nicht mit der Geschwindigkeit und Nachhaltig-
keit, die eigentlich zunächst erhofft worden war.
Der mühsame Alltag der Kooperation und die ebenso notwendige wie
oft stockende Kommunikation beeindrucken in einem regionalen Raum, der
historisch, wirtschaftlich und kulturell über viele Gemeinsamkeiten verfügt.
Aber der unterschiedliche staatliche, regionale und rechtliche Rahmen er-
weist sich – ebenso wie die voneinander abgegrenzten Kommunikationsräu-
me – oft genug als schwer überwindbar. Auch die kulturelle Ausrichtung, die
Lebensstile und Interessenfelder sind trotz scheinbarer Ähnlichkeiten weit
disparater als sich auf den ersten Blick annehmen ließe. Die politische Kultur,
der Kontext der Nationalstaaten und ihrer Institutionen entfalten neben dem
regionalen Partikularismus einen Eigensinn, der die Kooperationsbemühun-
gen mitunter flankiert, sie oft aber auch kaum sichtbar unterläuft.
So gelten zwar in den letzten Jahren der Festigung der Euregio erheb-
liche Anstrengungen, ihre konkrete Ausgestaltung lässt aber weiter viele
Wünsche offen. Nachdem sie lange Zeit ohne rechtliche Grundlage geblieben
war und eine vielfach nur deklaratorische Basis der Zusammenarbeit bildete,
hat sie in Gestalt des EVTZ (Europäischer Verbund Territorialer Zusammen-
arbeit) seit 2011 eine zwar schmale, aber tragfähige Rechtsform gewonnen,
wenn auch die institutionelle Bezeichnung abschreckend wirkt. Da bereits
der Name Euregio wenig euphorisierend ist, nimmt sich das Kürzel EVTZ
noch weniger motivierend aus.
Trotz solcher Einschränkungen bildet die Europaregion zudem einen
wichtigen Indikator der bilateralen Beziehungen zwischen Italien und Ös-
Die schwierige Versöhnung
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Titel
- Die schwierige Versöhnung
- Untertitel
- Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
- Autoren
- Andrea Di Michele
- Andreas Gottsmann
- Luciano Monzali
- Herausgeber
- Karlo Ruzicic-Kessler
- Verlag
- Bozen-Bolzano University Press
- Ort
- Bozen
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-SA 4.0
- ISBN
- 978-88-6046-173-5
- Abmessungen
- 16.0 x 23.0 cm
- Seiten
- 616
- Schlagwörter
- 20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918