Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Seite - 548 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 548 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Bild der Seite - 548 -

Bild der Seite - 548 - in Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert

Text der Seite - 548 -

548 Hans Heiss Trotz stark gebesserter Voraussetzungen verlief der Weg hin zu intensivier- ten Beziehungen aber keineswegs einfach: So hatte Italien das sogenannte „Madrider Abkommen“ von 1980 zur grenzüberschreitenden Zusammen- arbeit erst spät ratifiziert und den neuen Parcours einer intensivierten Be- ziehung zwischen den Ländern nur widerstrebend frei gegeben. Denn das „Europäische Rahmenübereinkommen über die grenzüberschreitende Zu- sammenarbeit zwischen Gebietskörperschaften“, wie das Madrider Abkom- men offiziell hieß, wurde von Italien erst mit Gesetz am 19. 11. 1984 ratifiziert, aber auch Österreich hatte sich hierzu erst 1983 entschlossen. Das Abkommen stellte die bisher misstrauisch beäugte Zusammenarbeit von Gebietskörper- schaften über Grenzen hinweg nicht nur frei, sondern stufte sie als „positiv und wünschenswert“ (J. Woelk) ein15. Obwohl hoheitliche Bereiche von der Möglichkeit grenzüberschreitender Zusammenarbeit ausdrücklich ausge- nommen wurden, eröffneten sich nun neue Spielräume. Diese wurden vor allem zwischen Innsbruck und Bozen ab 1993 entschieden angepeilt und da- bei auch eine Zusammenarbeit mit Trient ins Auge gefasst, um die staatliche Seite über von Rom befürchtete allfällige „irredentistische Absichten“ und eine Rückkehr zu „Groß-Tirol“ zu beruhigen. Konkrete Schritte hin zu einer Umsetzung der Europa-Region Tirol erfolgten etwa durch die Eröffnung ei- nes Verbindungsbüros in Brüssel am 19. Oktober 1995 durch die drei Landes- hauptleute, eine Initiative, gegen die sich aus Rom augenblicklich heftiges Sperrfeuer erhob16. Der italienische Staatspräsident Oscar Luigi Scalfaro ver- urteilte die Europa-Region im November 1995 als revisionistisches Projekt, während die Polizei in einer Durchsuchung im Büro des Landeshauptmanns in Bozen allfälligen Verdachtsmomenten nachging. Solche Alarmsignale ver- flogen allerdings schnell, da das römische Parlament in einem eigenen Gesetz solche Initiativen ausdrücklich zuließ, sodass die Europa-Region grundsätz- lich auf keine juristischen Bedenken mehr traf. Unter der italienischspra- chigen Bevölkerung Südtirols blieb die Skepsis hoch gegenüber einem vor- erst vagen Projekt17, dessen Zielrichtung eher ungewiss schien, zumal das 15 Jens Woelk, Ein Jahrzehnt regionale Kooperation in der EU. Die „Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino“ als Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit, in: 70 Jahre Pariser Vertrag, hrsg. von Walter Obwexer, Eva Pfanzelter (Wien 2017) 201–232, hier 203. 16 Vgl. Gehler, Tirol im 20. Jahrhundert 412. 17 Vgl. Rainer Nick, Günther Pallaver, Jenseits von Grenzen. Tirol-Südtirol-Trentino. Die Europaregion aus der Sicht der Bevölkerung (Innsbruck 1998).
zurück zum  Buch Die schwierige Versöhnung - Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert"
Die schwierige Versöhnung Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Titel
Die schwierige Versöhnung
Untertitel
Italien, Österreich und Südtirol im 20. Jahrhundert
Autoren
Andrea Di Michele
Andreas Gottsmann
Luciano Monzali
Herausgeber
Karlo Ruzicic-Kessler
Verlag
Bozen-Bolzano University Press
Ort
Bozen
Datum
2020
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-SA 4.0
ISBN
978-88-6046-173-5
Abmessungen
16.0 x 23.0 cm
Seiten
616
Schlagwörter
20. Jahrhundert, Österreich, Südtirol, Italien, Geschichte
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Die schwierige Versöhnung